Jäger, OSB, Albert

Prof. Dr. phil.

08.12.1801–10.12.1891

geb. Schwaz, Tirol, Österreich
gest. Innsbruck, Österreich

Albert Jäger (1801–1891), Österreichische Geschichte

Albert Jäger, OSB

Ehrung Titel Fakultät Datierung
Ehrenmitglied Doktorenkollegium Philosophische Fakultät 1865

Jäger wurde anlässlich des 500-jährigen Universitätsjubiläums am 3. August 1865 die Ehrenmitgliedschaft im Doktorenkollegium der Philosophischen Fakultät verliehen.

Funktion Zeitraum Fakultät
Dekan*in 1854/55 Philosophische Fakultät
Rektor 1865/66 Philosophische Fakultät
Albert Jäger (1801–1891), Österreichische Geschichte
Albert Jäger (1801–1891), Österreichische Geschichte
Albert Jäger (1801–1891), Österreichische Geschichte
Albert Jäger (1801–1891), Österreichische Geschichte
Albert Jäger (1801–1891), Österreichische Geschichte
Albert Jäger (1801–1891), Österreichische Geschichte
Mitglieder der philosophisch-historischen Klasse der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien
Mitglieder der philosophisch-historischen Klasse der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien

Als Sohn des verarmten Bäckers Johann Paul Jäger geboren und auf den Namen Josef Jäger getauft, verbrachte er seine Kindheit zunächst bei einem Onkel in Bozen, der ihn zum Erlernen der italienischen Sprache 1815 bis 1817 nach Rovereto schickte. Im Alter von 18 Jahren brach er 1819 die Bäckerlehre ab, besuchte das humanistische Franziskanergymnasium in Bozen und anschließend privat die beiden philosophischen Kurse. Gleichzeitig war er in Bozen als Hauslehrer bei Josef von Giovanelli tätig.
1825 trat Jäger in das Benediktinerstift Marienberg im Vintschgau/Südtirol ein und erhielt hier den Ordensnamen Albert, den er zeit seines Lebens tragen sollte. Ein Jahr später nahm er ein Studium am Priesterseminar in Brixen auf. Zu seinen Ordensbrüdern im Bergkloster sowie zu seinen Lehrern im Priesterseminar zählten namhafte Gelehrte, die die Benediktinergelehrsamkeit des 18. Jahrhunderts hochhielten und Jäger zur Fortsetzung seiner im Gymnasium begonnenen historischen Forschungen anregten. So konnte er 1829 sein erstes Werk über „Die Grafen von Taraspo“ – die Stifter des Klosters Marienberg – veröffentlichen. Er wurde im selben Jahr zum Priester geweiht und wirkte anschließend als Seelsorger sowie ab 1831 als Lehrer im Benediktinergymnasium in Meran.

Ab 1841 war Albert Jäger als Erzieher im Haus des Gouverneurs von Tirol, Clemens Graf Brandis, in Innsbruck tätig. Hier konnte er sich historischen Forschungen zur Tiroler Landesgeschichte anhand von Archivquellen widmen und ein Studium der Geschichte an der Universität Innsbruck aufnehmen. Er promovierte zum Doktor der Philosophie und publizierte 1844 ein Werk über „Tirol und der bayerisch-französische Einfall im Jahre 1703“, mit dem er sich als Historiker einen Namen machte.
Jäger forschte und publizierte auch zukünftig vor allem zu Themen der österreichischen, v.a. der Tiroler Geschichte des Spätmittelalters und der Neuzeit.

1845 wurde Jäger Supplent und 1846 bereits Professor der Welt- und österreichischen Staatengeschichte sowie der historischen Hilfswissenschaften an der Universität Innsbruck. 1849 übernahm er vorübergehend die Direktion des Stiftsgymnasiums in Meran, um die Umwandlung von einem sechs-, in ein achtklassiges Gymnasium zu organisieren.

Albert Jäger folgte 1851 der Berufung durch Unterrichtsminister Leo Thun-Hohenstein zum Professor für Österreichische Geschichte an die Universität Wien. Die päpstliche Genehmigung für den dafür nötigen Austritt aus dem Kloster (Exklaustrierung) konnte er 1852 nur unter Schwierigkeiten erreichen, dennoch blieb er Mitglied des Benediktinerordens. Der Anregung Joseph Alexander von Helferts sowie der Anweisung Thun-Hohensteins folgend wurde 1854 an der Universität Wien das Institut für Österreichische Geschichtsforschung gegründet, das Jäger von der Gründung bis 1869 als Vorstand leitete. Zu den ersten Schülern des renommierten Instituts zur Ausbildung historischer Forscher zählten u. a. Karl Tomaschek und Ottokar Lorenz. Jäger bestritt die Lehre zunächst alleine, bis 1856 Theodor von Sickel als Lehrkraft hinzukam, der wesentlich zu der Orientierung des Instituts auf historische Hilfswissenschaften beitrug.
An der Universität Wien fungierte Albert Jäger als im Studienjahr 1854/55 Dekan der Philosophischen Fakultät und 1865/66 als Rektor – sowie aufgrund dieser Funktion gleichzeitig als Abgeordneter des niederösterreichischen Landtages mit Virilstimme. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 500. Universitätsjubiläum wurde er am 3. August 1865, noch vor seinem Amtsantritt als Rektor, zum Ehrenmitglied des Doktorenkollegiums der Philosophischen Fakultät ernannt.

Auch nach seiner Amtszeit als Rektor war er politisch aktiv, wurde 1867 in den Tiroler Landtag gewählt (bis 1869) und von diesem als Abgeordneter der konservativ-kirchlichen Fraktion in den Reichsrat entsandt. Jäger, der als überzeugter Föderalist auftrat, legte im Zuge seiner Tätigkeit für den Reichsrat 1869 die Leitung des Instituts für österreichische Geschichtsforschung nieder und zog sich schließlich 1871 nach Beendigung seiner politischen Karriere aus dem öffentlichen Leben zurück. Er kehrte nach Innsbruck zurück und widmete sich weiterhin historischen Studien, so seinem Lebenswerk „Geschichte der landständischen Verfassung Tirols“ (1881–1885).

Für seine Verdienste wurde Albert Jäger vielfach ausgezeichnet. Bereits seit 1847 wirkliches Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, gehörte er ebenso der königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften in München, der k. k. Akademie degli Agiati in Rovereto und dem Ferdinandeum in Innsbruck an. Der historische Verein für Kärnten sowie die katholischen Studentenverbindung Austria Innsbruck (1873) ernannten ihn zum Ehrenmitglied, außerdem wurde er mit dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens geehrt.

Werke (Auswahl)

Tirol und der baierisch-französische Einfall im Jahre 1703. Aus archivalischen und anderen gedruckten und ungedruckten Quellen, 1844.
Die alte ständische Verfassung Tirols, 1848.
Die Wiedervereinigung Tirols mit Oesterreich in den Jahren 1813–1816, 1856.
Der Streit des Cardinals Nicolaus von Cusa mit dem Herzoge Sigmund von Oesterreich als Grafen von Tirol (2 Bände), 1861.
Die Priester-Verfolgung in Tirol von 1806 bis 1809, 1868.
Die Tiroler Landesverteidigung im Reichsrathe und Landtage 1868 und 1869, 1869.
Das Steuerbewilligungs-Recht der alten Stände Tirols, 1870.
Tirol’s Rückkehr unter Oesterreich und seine Bemühungen zur Wiedererlangung der alten Landesrechte von 1813–1816, 1871.
Geschichte der landständischen Verfassung Tirols (2 Bände), 1881–1885.

Siehe auch

> Österreichisches Biographisches Lexikon (abgerufen am 05.10.2026)
> Wien Geschichte Wiki (abgerufen am 05.10.2026)
> Deutsche Biographie (abgerufen am 05.10.2026)
> Wikisource: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (abgerufen am 05.10.2026)
> Österreichischer Cartellverband (abgerufen am 05.10.2026)

Autor*innen

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert

05.10.2026

Versionierter Zitationslink

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Literatur und gedruckte Quellen

Thomas Winkelbauer, Das Fach Geschichte an der Universität Wien. Schriften des Archivs der Universität Wien. Bd. 24 (Göttingen 2018).
Otto Krause, Biographisches Handbuch des niederösterreichischen Landtages 1861–1921 (St. Pölten 2005), online unter https://noe-landtag.gv.at/fileadmin/sites/noe-landtag/dokumente/biograp….
Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien in 5 Bänden (Wien 2004).
Theresia Mayerhofer, Der Lehrkörper der Philosophischen Fakultät der Universität Wien von 1848 bis 1873 (Dissertation, Universität Wien) (Wien 1982).
Nikolaus Grass, Benediktinische Geschichtswissenschaft und die Anfänge des Instituts für österreichische Geschichtsforschung. Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960) (1960) 470-484.
Nikolaus Grass, Albert Jäger. Österreichische Historiker-Biographie 1 (1957) (1957).
Alphons Lhotsky, Geschichte des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 1854–1954 (Graz and Köln 1954).
Ernst Kirchshofer, Geschichte des philologisch-historischen Seminars an der Universität Wien 1849–1900, ungedr. phil. Diss. Univ. Wien (Wien 1948).
Albert Jäger. Almanach der Akademie der Wissenschaften in Wien für das Jahr 1892 42 (1892) (1892) 226-232.
Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung (13).
Österreichisches biographisches Lexikon 1850–1950. (1951-heute) (Wien).
Neue Österreichische Biographie ab 1815. Große Österreicher (Bd. 1–8) (Leipzig), online unter http://www.biographien.ac.at.
Constantin Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche seit 1750 in den österreichischen Kronländern geboren wurden oder darin gelebt und gewirkt haben, 60 Tl (Wien).
Universität Wien, Die Feierliche Inauguration des Rektors der Wiener Universität für das Studienjahr … [1890–1967] an der Universität Wien (Wien).
Allgemeine Deutsche Biographie (56 Bd.) (München and Leipzig).