Fernando Miguel Pérez, Dr. med.
geb. 06.02.1863,
Buenos Aires,
Argentinien
gest. 26.07.1935,
Paris,
Frankreich
geb. 06.02.1863,
Buenos Aires,
Argentinien
gest. 26.07.1935,
Paris,
Frankreich
| Ehrung | ||
|---|---|---|
| Ehrenzeichen | 1921 |
Fernando Miguel Pérez, Sohn von Fernando Pérez und Marie, geb. Bidart, studierte Medizin in Buenos Aires und Paris. 1888 promovierte er an der Universität Paris mit einer Dissertation zum Thema „Exploration des uretères“ (Untersuchung der Harnleiter) zum Doktor der Medizin. Nach seinem Studienabschluss kehrte er nach Argentinien zurück. Er heiratete Emilia Benita Sucre Urbaneja. 1890 kam ihr einziger Sohn, Luis Fernando Pérez Sucre, in Buenos Aires zur Welt.
In Argentinien spezialisierte Pérez sich auf Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Er richtete am Kinderspital von Buenos Aires, das als Lehrkrankenhaus geführt wurde, sowie am Hospital Francés/Hospital Français jeweils eine eigene HNO-Abteilung ein. Am Hospital Francés führte er 1893 die erste totale Laryngektomie (Entfernung des Kehlkopfes) in Argentinien durch. Seine wissenschaftlichen Arbeiten befassten sich vor allem mit der Pathologie der Ozaena (Rhinitis atrophicans cum foetore, Stinknase), einer Erkrankung der Nasenschleimhaut mit starker Geruchsentwicklung. Er entdeckte den später nach ihm benannten Coccobacillus foetidus ozaenae Perez (Perez-Bazillus), den er als Ursache für Ozaena sah, weshalb die Erkrankung auch als „Ozena de Pérez“ bezeichnet wurde. Fernando Miguel Pérez wurde 1922 in die Academia Nacional de Medicina de Buenos Aires, aufgenommen.
Als namhafter Arzt trat er in den diplomatischen Dienst ein. Als Argentinien erstmals eine diplomatische Vertretung in Wien erhielt, wurde Fernando Pérez am 21. Juni 1909 als Gesandter und bevollmächtigter Minister der argentinischen Republik in Österreich-Ungarn akkreditiert. In dieser Funktion, die er bis 1922 innehatte, bemühte er sich besonders um die Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Argentinien und forcierte Importe von agrarischen Produkten und Fleisch nach Österreich. So richtete er 1913 ein „Museum für argentinische Landesprodukte“ am Schottenring 21 (Wien 1) ein. Als Kunstliebhaber und -förderer initiierte er 1910 die Teilnahme Österreichs an der internationalen Kunstausstellung in Buenos Aires anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit Argentiniens. Zudem hielt er weiterhin gelegentlich medizinische Fachvorträge über sein Spezialgebiet der Ozaena, u.a. 1910 vor der Otologischen Gesellschaft in Wien und 1913 vor der Berliner Laryngologischen Gesellschaft.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zählte Argentinien zu jenen Ländern, die sich intensiv für die Linderung der humanitären Notsituation der Nachkriegsjahre der österreichischen Bevölkerung, besonders in Wien, einsetzten. Auf Pérez’ Initiative beschloss die Nationalversammlung Argentiniens am 27. August 1920 die Vergabe eines Kredits in der Höhe von fünf Millionen Pesos an Österreich. Der zinsfreie Kredit sollte dazu dienen, um Kleidung und Lebensmittel für die notleidende österreichische Bevölkerung in Argentinien anzukaufen. Ab Februar 1921 trafen tausende Tonnen an Hilfsgütern ein, wobei die argentinische Regierung auch den Schiffstransport nach Europa übernahm und die österreichische Regierung lediglich den Landtransport vom Hafen in Hamburg nach Wien tragen musste. Die Koordination und die Verteilung der Hilfsgüter erfolgte über ein argentinisches Hilfswerk in Wien – mit dem argentinischen Präsidenten Hipólito Yrigoyen als Ehrenpräsidenten und Gesandten Pérez als Ehrenvorsitzenden. Die Hilfsleistungen sollten vor allem Kindern und Jugendlichen, schwangeren Frauen und Müttern sowie alten und kranken Menschen zugutekommen, u.a. erhielten aber auch Universitätsprofessoren Lebensmittelzuschüsse. Als Dank für die Hilfsmaßnahme beschloss der Gemeinderatsausschuss für Kultur der Stadt Wien auf Antrag des Gemeinderates Stanislaus Schneider (SDAP) am 27. Jänner 1921, die bisherige Alleegasse in Wien-Wieden (4. Bezirk) in Argentinierstraße umzubenennen.
Eine eigens gegründete Kommission für die Gründung eines Ehrenzeichens der Universität Wien unter Vorsitz von Rektor Alfons Dopsch beschloss am 9. Juni 1921 den Antrag an den akademischen Senat zu stellen, dem Gesandten Argentiniens Dr. Fernando Pérez „wegen zahlreicher Unterstützungen der Universitätsangehörigen in Geld und Naturalspenden“ sowie weiteren Personen das neue Ehrenzeichen zu verleihen. Der Akademische Senat beschloss schließlich am 15. Juni 1921 die Verleihung des Ehrenzeichens der Universität Wien an Fernando Pérez, Hipólito Yrigoyen sowie sechs weitere Personen. Die Auszeichnung wurde im Juli 1921 postalisch zugestellt.
1922 wurde Pérez auch zum Ehrenmitglied der Universität Innsbruck ernannt.
Als im Sommer 1922 Pérez’ Dienstzeit in Wien endete, widmete der Gemeinderat der Stadt Wien ihm eine Dankesadresse.
Fernando Pérez kehrte nur vorübergehend nach Argentinien zurück und trat noch 1922 seinen Dienst als Gesandter in Rom an. 1927 verlieh ihm die Universität Rom das Ehrendoktorat für seine medizinischen Forschungen und seinen Kampf gegen die Malaria. Besonders widmete sich Pérez in Rom jedoch der Förderung der bildenden Künste, der klassischen Musik und der Unterstützung der argentinischen Kultur, wozu auch eine familiäre Verbindung beitrug: Sein Sohn Luis Fernando Pérez Sucre heiratete 1925 in Rom Elisa Bosch Alvear, die Tochter des ehemaligen argentinischen Botschafters in Frankreich Ernesto Bosch. Durch das familiär-diplomatische Netzwerk zwischen Argentinien, Frankreich und Italien wurde Pérez u.a. Mitinitiator der Semaine Argentine in Paris (1927), wo 18 argentinische Künstler ausstellten. Als wohlhabender Kunstmäzen trug Pérez nicht nur eine wertvolle eigene Kunstsammlung zusammen, sondern unterstützte auch maßgeblich den Erwerb von Kunstwerken für das Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires.
Gemeinsam mit dem ebenfalls aus Argentinien stammenden Arzt Carlos Mainini entwickelte Fernando Pérez Ende der 1920er-Jahre eine wissenschaftliche Methode zur Echtheitsprüfung von Gemälden: Die Oberfläche wurde mit einem Streiflicht beleuchtet und mit einem Mikroskop untersucht, um charakteristische Merkmale (Linien, Pinselstriche, Farbschichten) des jeweiligen Künstlers zu erkennen. Mit dieser Methode untersuchten Pérez und Mainini tausende Gemälde in den berühmtesten Galerien Italiens. 1930 stellte Pérez in Paris die Untersuchungsergebnisse seiner „künstlerischen Pinakologie“ vor. Auf dieser Basis wurde 1931 im Louvre das erste wissenschaftliche Labor für die wissenschaftliche Untersuchung von Gemälden (Institut Mainini) eröffnet.
Pérez wurde 1921 zum Kommandeur der französischen Ehrenlegion (Commandeur de la Légion d’Honneur) ernannt und 1933 mit dem Großoffizierskreuz (Croix de Grand Officier) der Ehrenlegion geehrt.
Fernando Pérez trat 1933 als Diplomat in den Ruhestand. Er verstarb zwei Jahre später im Alter von 70 Jahren in Paris.
Nach seinem Tod kehrte sein Sohn Luis Fernando Pérez Sucre – seine erste Ehe war mittlerweile für nichtig worden – nach Buenos Aires zurück, wohin er auch die wertvolle und vielfältige Kunstsammlung seines Vaters transferierte. 1942 ging er nach Uruguay und heiratete in Montevideo Maria Antonia, ehemalige Erzherzogin von Österreich-Toskana (Tochter von Erzherzog Leopold Salvator von Österreich und Infantin Blanca von Spanien). Nach der Heirat zogen sie nach Brasilien, wo sie unter bescheidenen finanziellen Verhältnissen in Porto Alegre lebten. Der Besitz von Pérez Sucre’s Vater inklusive der Kunstsammlung wurde nach und nach verkauft. Luis Fernando starb 1959, María Antonia im Jahr 1977.
Exploration des uretères, Dissertation, Paris 1888.
Recherches sur la bactériologie de l’ozène (in: Annales de l’Institut Pasteur, XIII, 1899, S. 937-950).
Bactériologie de l’ozène. Etiologie et prophylaxie (in: Annales de l’Institut Pasteur, XV, 1901, S. 409-416).
L'ozène (rhino-sinusite atrophique fétide) bactériologie, étiologie, prophylaxie, Buenos Aires 1901.
Oreille et Encéphale. Étude d’ anatomie chirurgicale. 2 Bände, Buenos Aires 1905.
La Pinacoradiologie (in: Bulletin de l'art ancien et moderne, 782 (Nov. 1931), S. 405-412.
Archiv der Universität Wien, R 34.4: Ehrenbuch 1921-1959; Akademischer Senat GZ 708 ex 1919/20.