Josef Müllner, Prof.
geb. 01.08.1879,
Baden bei Wien,
Österreich
gest. 25.12.1968,
Wien,
Österreich
geb. 01.08.1879,
Baden bei Wien,
Österreich
gest. 25.12.1968,
Wien,
Österreich
| Ehrung | ||
|---|---|---|
| Ehrenzeichen | 1936 |
Die Ehrung wird 2022/23 aufgrund von Josef Müllners Involvierung in den Nationalsozialismus sowie den politischen Implikationen seiner Kunstwerke als „problematisch“ eingestuft. Einige von Müllners Werken waren in hohem Maße politisch aufgeladen und werden heute dementsprechend problematisch gesehen. Seine politischen Botschaften fanden nicht zuletzt im deutschnationalen Lager Widerhall, u.a. der „Siegfriedskopf“, das Lueger-Denkmal, der „Wehrmann im Eisen“ und der „Sieger“ vor dem Theseustempel in Wien. Der „Siegfriedskopf“ im Hauptgebäude der Universität Wien war viele Jahrzehnte hindurch Treffpunkt Rechtsradikaler und Burschenschafter und zugleich das Ziel von Vandalismusakten.
Josef Müllner war ab 1940 Mitglied der NSDAP und gehörte dem NS-Dozentenbund, der NSC, dem RLB sowie dem NS-Altherrenbund an.
Josef Müllner studierte 1896-1903 an der Akademie der bildenden Künste Bildhauerei bei Kaspar Zumbusch und Edmund Hellmer (Kastaliabrunnen), erhielt 1903 den renommierten Rompreis und galt vor dem Ersten Weltkrieg als einer der vielversprechendsten Bildhauer seiner Generation in Österreich. Dazu trugen u.a. seine frühen Arbeiten bei: „Heilige Familie“, Sandsteingruppe im Herz-Jesu-Kloster in Döbling, „Minotaurus“ im Wittgensteinpalais (1905), „Meeresidyll“ Brunnengruppe für die Villa Würffel in Weidlingau (1907), „Kampf, ein mit einem Bären ringender Mann“, Bronzegruppe für das Wittgensteinpalais, 1907, Forellenbrunnen in Schuberts Geburtshaus (9, Nußdorfer Straße 54; 1910), die Bronzegruppe „Scherzo“ im Arenbergpark (heute 3, Modenapark, 1913; ein mit zwei Panthern spielender Jüngling).
Seit 1904 selbständig, war er 1905 bis 1911 Mitglied der Secession, ab 1912 des Wiener Künstlerhauses. 1910 wurde er ao. Professor, 1912 o. Professor und Leiter der allgemeinen Bildhauerschule an der Akademie der bildenden Künste in Wien (bis 1939). Ab 1915 war er in dieser Funktion auch Mitglied der Artistischen Kommission der Universität Wien, die den Akademische Senat in Kunst- und Denkmalsfragen beriet. Seit Oktober 1912 war er verheiratet mit Gertraut Greger, verw. Schrantz.
1913 gewann er den Wettbewerb, am Rathausplatz ein Denkmal für den 1910 verstorbenen Bürgermeister Dr. Karl Lueger zu errichten, das er 1916 fertigstellte, das aber kriegs- und nachkriegsbedingt erst 1926 und an anderem Ort, dem heutigen Dr.-Karl-Lueger-Platz enthüllt werden konnte und in den letzten Jahrzehnten als „Stein des Anstoßes“ heftig diskutiert wurde. Weniger wegen Müllners künstlerischer Umsetzung, sondern vielmehr wegen der Rolle des dargestellten Luegers als Vorkämpfer des politischen Antisemitismus. Die monumentale Umsetzung Müllners geriet dabei eher im Hintergrund in die Kritik. Vielfach wurde die Entfernung des Denkmals gefordert, das nach mehreren aktivistischen Interventionen und Gegeninterventionen 2024 durch eine künstlerische Intervention (Klemens Wihlidal – Schieflage 3,5°) neu kontextualisiert werden soll.
In dieselbe Schaffenszeit im Ersten Weltkrieg und den ersten Nachkriegsjahren fallen auch einige kriegsunterstützende bzw. -verherrlichende Denkmäler Müllners. Der hölzerne „Wehrmann im Eisen“ (1915, zum Spendensammeln für den „Witwen- und Waisenhilfsfonds für die gesamte bewaffnete Macht“) und als zentrales Kunstwerk in der Aula der Universität Wien das „Heldendenkmal“ bzw. den „Siegfriedskopf“ sowie kurz darauf das Kriegerdenkmal in der Aula der Akademie der Bildenden Künste Wien). Müllner war seit 1915 Mitglied der Artistischen Kommission der Universität Wien und schlug 1916 die Schaffung eines Kriegerdenkmals vor. Später wurde seine Skulptur „Siegfriedskopf“ dafür ausgewählt. Es handelte sich um das Kopffragment seines Siegerprojektes für eine große Kriegerdenkmalsanlage am Bisamberg 1916, die aber nie realisiert wurde. Als eigenständiges Heldendenkmal wurde der Siegfriedskopf 1923 enthüllt und war von den ersten Tagen an heftig umkämpft und ein wichtiger Aufmarsch- und Demonstrationsort für deutschnationale Feiern und Kundgebungen für die deutschnationale Deutschen Studentenschaft, die Burschenschaften wie auch für die katholischen Studentenverbände. Bald wurde es primär von nationalsozialistischen und später austrofaschistischen Studentenverbänden, aber von den 1920er bis Mitte der 1960er Jahre auch von der Universitätsleitung als Rahmen feierlicher Veranstaltungen genutzt. Mehrfach wurde gegen die deutschnationale Instrumentalisierung des Denkmals mit Interventionen, teilweise gewaltsam protestiert (Naseabschlagen, beschmieren etc.). 1990 wurde beschlossen, das belastete Denkmal aus der Aula an einen anderen Ort zu versetzen, was aber erst 2016 im Zuge seiner Verlagerung in den Arkadenhof und Rekontextualisierung umgesetzt wurde.
Im Arkadenhof finden sich noch drei weitere Denkmäler von Müllner: für den Mediziner Ernst Fuchs (1921, aufgestellt 1951), für den Philologen Jakob Schipper (1928) und für den Psychiater und Nobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg (1930, aufgestellt 1951).
Weitere Arbeiten von ihm sind die Bronzestatue „Jugendlicher Athlet“ (1921) im Volksgarten vor dem Theseustempel und das Heldendenkmal für die gefallenen Kunstakademiker in der Aula der Akademie (1925) sowie Grabdenkmäler für Alfred Grünfeld (1928) und Clemens Pirquet (1930) sowie das Gutmann-Mausoleum (1933) auf dem Zentralfriedhof, die Kutschera-Büste im Volkstheater (1930), das Eiselsbergdenkmal im Allgemeinen Krankenhaus (1931), das Marmorrelief zum 80. Geburtstag Edmund Hellmers (Bildhauergebäude der Akademie, 1931) und das Hansi-Niese-Denkmal (1938).
Müllner war 1926-1928 Rektor beziehungsweise bis 1948 (ab 1946 als Honorarprofessor) Leiter einer Meisterschule für Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste.
Nach dem „Anschluss“ fand die Präsentation der österreichischen Künstler auf der Kunst-Biennale in Venedig 1938 nicht mehr im österreichischen, sondern im deutschen Pavillon statt. Zu den Künstlern, die dem neuen NS-Kunstgeschmack entsprachen, gehörte Josef Müllner, der mit seinen neoklassizistischen Werken neben jenen seines Schülers Josef Thorak (einer von Hitlers Lieblingsbildhauern), Michael Drobils, Rudolf Hermann Eisenmengers, Switberg Lobissers u. a. auf dieser internationalen Bühne NS(-kompatible)-Kunst repräsentierte.
Josef Müllner und seine Werke sind heute wegen seiner Unterstützung des Nationalsozialismus in den Jahren 1938 bis 1945 stark umstritten. Er trat der NSDAP als Anwärter bei, schuf in der NS-Zeit wichtige und programmatische Werke. Seine Hitlerbüste, zentral in der Aula der Akademie der bildenden Künste platziert, wurde im Juli 1940 feierlich in Anwesenheit der Größen von NSDAP, Wehrmacht, Stadt, Staat und Hochschulen eröffnet. Der Völkische Beobachter vom 14. Juli 1940 berichtete: „Der Vertreter des Gauleiters SS-Oberführer Karl Scharitzer umriß die Bedeutung der Kunst in unseren Tagen […] und wies auf das hohe Vorbild des Führers hin, dessen schöpferischem Genius die Neugestaltung der Welt zu danken ist. SS-Oberführer Scharitzer nahm hieran die Enthüllung der Führerbüste vor und überreichte nach diesem feierlichen Akt den Professoren die vom Führer gezeichneten Auszeichnungen. Die Büste des Führers in der Akademie wurde auf Grund eines Staatsauftrages von Bildhauer Professor Josef Müllner aus Laaser Marmor geschaffen.“ Das Foto der Büste wurde prominent mit dem Hitlerzitat „Kunst ist eine erhabene und zum Fanatismus verpflichtende Mission“ als Frontispiz an den Beginn der Publikation Jahresbericht der Akademie 1940 gesetzt. Die Büste selbst wurde zu Kriegsende zerstört. Müllner führt die Plastik nach Kriegsende nicht mehr in seinem Werkkatalog und betont in einer biographischen Aufzeichnung, er hätte die Statue „nur mit Widerwillen“ geschaffen.
In der NS-Zeit erhielt er 1943 eine 4-Zimmer-„Reichsdienstwohnung“ auf Lebenszeit und mehrere wichtige Kunst-Preise. Trotz früherer Anträge wurde er erst 1947 entnazifiziert.
Josef Müllner wurde in allen politischen Systemen mit Preisen ausgezeichnet, um nur einige zu nennen u.a.
Verleihung des Ehrenzeichens der Universität Wien wurde vom Akademischen Senat am 27. Juni 1936 beschlossen für „seine Verdienste als Mitglied und Beirat des Kunstausschusses der Universität Wien“ wobei ihm explizit hoch angerechnet wurde, dass er als Schöpfer des Heldendenkmals in der Aula („Siegfriedskopf“) der Universität großzügig finanziell entgegengekommen sei – die Verleihung erfolgte am 10. Juli 1936.
Die Akademie der Bildenden Künste aberkannte die ihm 1948 verliehene Ehrenmitgliedschaft aufgrund seiner NS-Belastung im Frühjahr 2023 wieder (die 1948 bei der Verleihung bereits bekannt war).
Archiv der Universität Wien, R 34.4: Ehrenbuch 1921-1959, Senat
Archiv der Universität für Bildende Künste, Nachlass
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