Hannes Haas, Univ.-Prof. Dr.
geb. 21.07.1957,
Leonding,
Österreich
gest. 20.03.2014,
Wien,
Österreich
geb. 21.07.1957,
Leonding,
Österreich
gest. 20.03.2014,
Wien,
Österreich
| Funktion | Zeitraum | Fakultät |
|---|---|---|
| Vize-Dekan*in | 2010/11–2011/12 | Fakultät für Sozialwissenschaften |
Hannes Haas wurde 1957 in Leonding, Oberösterreich, geboren. Er studierte in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Germanistik sowie Theaterwissenschaft vom Sommersemester 1976 bis zum Sommersemester 1983. Seine Promotionsarbeit bei Professorin Marianne Lunzer galt schon einem journalistischen Thema und verwies damit auf seine späteren wissenschaftlichen Interessen: „Die politische und gesellschaftliche Satire der Wiener humoristisch-satirischen Blätter vom Zusammenbruch der Monarchie bis zum Justizpalastbrand (1918–1927)“.
Er war ab 1984/85 Universitätslektor und startete damit seine Laufbahn am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, die 2010 zum Ruf auf die Professur für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Journalismusforschung führte. Seine Stationen und Ämter waren: 1985 Universitätsassistent, 1997 Assistenzprofessur, 1998 außerordentlicher (ao.) Professor, 2000–2006 stellvertretender Vorstand des Instituts, 2004–2010 stellvertretender Studienprogrammleiter für das Doktoratsstudium Sozialwissenschaften (Dissertationsgebiet Publizistik- und Kommunikationswissenschaft), ab 2006 (bis 2010) Vorstand des Instituts, ab 2012 stellvertretender Studienprogrammleiter, 2010–2012 Vizedekan (zuständig für interne und externe Kommunikation) an der Fakultät für Sozialwissenschaften.
Seine wissenschaftliche Karriere fiel in eine nachhaltige Wachstumsphase des ursprünglich historisch orientierten geisteswissenschaftlichen Faches „Zeitungswissenschaft“ zur gegenwartsbezogenen, sozialwissenschaftlichen „Kommunikationswissenschaft“. Zur Logik dieser gehörte u.a. ihr Praxisbezug und die Mitwirkung einer wachsenden Zahl von Kolleginnen und Kollegen an der politischen Öffentlichkeit.
Unter den vielen „Praxisfeldern der gesellschaftlichen Kommunikation“ widmete Haas sich vor allem dem Journalismus und betreute systematisch (zusammen mit dem Autor dieses Textes) dessen Erscheinungsformen im Medium Buch.
Dieses Projekt „Buchjournalismus“ des Institutes begann mit der Einrichtung einer unwissenschaftlichen Nische in der Fachbibliothek: Sammlung Journalismus, inzwischen angewachsen auf tausende Bände. Wie Haas sich dem kontinuierlich und intensiv widmete, war auf besondere Weise typisch für ihn. Die Kolleginnen und Kollegen seiner Generation, die in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts geborenen „jungen“ Kommunikationswissenschaftler, wandten sich, wohl nicht zuletzt verursacht durch das Boomen der wissenschaftlichen Journalistenausbildung, der Journalismusforschung zu. Wie häufig in der Geschichte von Disziplinen, kam es dabei zu einer Schulenbildung, der sich bald niemand mehr entziehen konnte, der seine Karrierechancen nicht verlieren wollte (nur ein Stichwort: Systemtheorie). Das hatte fatale Folgen, denn in dieser Forschung durfte der personenbezogene Journalismus definitionsgemäß nicht vorkommen.
Als Hannes Haas seine Habilitationsschrift erarbeitete, entzog er sich diesem Mainstream und legte ein fulminantes Werk vor, das von der ersten bis zur letzten Zeile der souveräne Gegenentwurf zur damals herrschenden Lehre war. Dies wurde übrigens auch von den konkurrierenden Kollegen als Rezensenten fairerweise anerkannt und hat (mit-)bewirkt, dass einige der Irrwege der Journalismusforschung inzwischen wieder verlassen wurden und Haas nun von Kanon, Werk, Autor, Qualität und Tradition reden und schreiben konnte ohne sich Vorwürfen der Theorieignoranz ausgesetzt zu sehen. Das opulent ausgestattete, aus seiner Habilitationsschrift entstandene Buch „Empirischer Journalismus: Verfahren zur Erkundung gesellschaftlicher Wirklichkeit“ wird Jahrzehnte nach seinem Erscheinen immer noch teuer gehandelt.
Wenige Monate nach seinem frühen Tod 2014 würdigten denn auch Journalist*innen und Wissenschaftler*innen in einer Gedenkveranstaltung Person und Werk. Im Vorwort der Veröffentlichung stellen die Herausgeber*innen fest:
„Für Hannes Haas waren sowohl der Journalismus als auch die Wissenschaft immer zwei fest miteinander verbundene Bereiche, für ihn war die Kommunikationswissenschaft die für den Journalismus zuständige Reflexionsinstanz.“ (Herczeg/Lojka 2016)
Auch seine Publikationsliste in diesem Band zeigt das umfangreiche Werk von Hannes Haas – zwischen theoretischer Reflexion und journalistischer Praxis. Sie lässt ahnen, welcher kontinuierliche Beitrag von ihm noch erwartbar war und wie viele Anregungen in seinen Veröffentlichungen enthalten sind. Charakteristisch für ihn war auch, dass er sich um institutionelle Lösungen von Problemen bemühte. So hat er die „Initiative für Qualitätsjournalismus“ mitbegründet und blieb als aufmerksamer Watchdog der Branche treu. Ab 2007 programmierte er die Theodor Herzl-Dozentur für Journalismus; dafür gewann er herausragende Journalistinnen und Journalisten, wie etwa Alice Schwarzer, Armin Wolf oder Alexandra Föderl-Schmid. Als forschungspolitischer Initiator gehörte er der Kommission für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an.
Medienpolitisch zeichnete Haas etwa für eine im Auftrag des Bundeskanzleramts verfasste Evaluationsstudie zur Presseförderung verantwortlich – einer brisanten Materie. Auch bei diesem Thema galt sein Interesse dem Journalismus; sein Fazit in dem 2013 veröffentlichten Gutachten: Derzeit ist sie beim Erreichen ihres Ziels – dem Erhalt der Pressevielfalt – „nicht effektiv“. Nicht Titel oder Medienunternehmen, sondern journalistische Inhalte sollten deswegen künftig in den Mittelpunkt der Finanzierung durch die öffentliche Hand gestellt werden. Mehr als zehn Jahre später stehen seine Vorschläge noch immer – und wieder – auf der medienpolitischen Tagesordnung.
Die wissenschaftliche Karriere von Hannes Haas fiel in eine Epoche, in der die Studierendenzahlen an der Universität Wien und besonders dramatisch im Fach Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ständig anstiegen. Er war als Assistent, Dozent, Professor und Institutsvorstand, ein Lehrender, der angesichts der wachsenden Student*innenzahlen nie in den Modus der Larmoyanz verfiel, also jene deformation professionelle, der sich in den vergangenen Jahrzehnten ganze Generationen von Hochschulangehörigen hingaben. Er arbeitete und lebte für diese in immer größerer Zahl an die Universität Wien strömenden Jahrgänge; es waren so hunderte, die er betreute: als Diplomand*innen, Magistrand*innen, Doktorand*innen und zuletzt Bachelor-Absolvent*innen. Sie alle haben ihn als einen gewinnenden, zugewendeten, sie sorgfältig betreuenden Hochschullehrer erlebt.
> Wikipedia (abgerufen am 30.04.2026)
> Nachruf, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (abgerufen am 30.04.2026)
> Nachruf, Die Presse, 22.03.2014 (abgerufen am 30.04.2026)
> In Memoriam Hannes Haas, Die Presse, 28.11.2014 (abgerufen am 30.04.2026)
Wolfgang R. Langenbucher: Nachruf. In Memoriam Hannes Haas, in: Message. Fachzeitschrift für Journalismus 2/2014, S. 96-97.
Fritz Hausjell und Bernd Semrad: Hannes Haas 1957–2014. Nachruf auf ein Gründungsmitglied des Arbeitskreises für Historische Kommunikationsforschung (AHK), in: Medien & Zeit, 1/2014, S. 67–68 und S. 75–76.
Petra Herczeg und Klaus Lojka (Hrsg.): Orientierung und Erkenntnis. Über das Unverzichtbare im Journalismus. Gedenkschrift für Hannes Haas, Wien 2016.
Paul Vecsei: Hannes Haas 1957–2014, in: Wiener Zeitung Online vom 24. März 2014 (abgerufen am 30.04.2026).