Gualterus Paullus, Dr. theol.

geb. 15.06.1587, Huy, Niederlande
gest. 17.04.1672, Douai, Frankreich

Funktion Zeitraum Fakultät
Dekan*in 1636/37 Katholisch-Theologische Fakultät

Gualterus Paullus trat 1603 in Rom in das Noviziat des Jesuitenordens ein, 1620 legte er in Douai die Profess ab. Seine philosophische und theologische Ausbildung erhielt er laut Carlos Sommervogel in Douai und Wien. Allerdings kann ein Studium Paullus’ in Wien nicht nachgewiesen werden. 1631 wurde er als Doktor der Theologie und Professor der Scholastik eingetragen. 1632 bewilligte die Theologische Fakultät seine Zulassung zur Repetition, d.h. zur Anerkennung seines Grades. Dies spricht eindeutig gegen ein Studium in Wien. Es hat den Anschein, dass Daten zum Jesuiten Gualterus Paullus und zu einem weiteren Studenten gleichen Namens (möglicherweise ein Verwandter) vermischt wurden: 1633 wurde Gualderus Paullus Belga Huensis in die Hauptmatrikel der Universität Wien eingetragen. Vier Jahre später, am 26. November 1637, wurde Magister Gualterus Paullus als Student im zweiten Jahr in die Matrikel der Theologischen Fakultät eingetragen. Am 4. Februar 1640 wurde Gualterus Paullus, Bakkalar der Theologie, in die Matrikel der Juridischen Fakultät eingetragen. Eine Graduierung an der Juridischen Fakultät ist nicht bekannt. Ein eindeutiger Beleg dafür, dass es sich um zwei Personen handelt, ist der Matrikeleintrag von 1637: Magister Gualterus Paullus wurde unter dem Dekan Gualterus Paullus, Doktor der Theologie und Professor der Scholastik, immatrikuliert!

Bevor er im Studienjahr 1636/37 zum Dekan der Theologischen Fakultät gewählt wurde, war Gualterus Paullus 1635/36 Prokurator der Rheinischen Nation.

In den Jahren 1641 und 1642 ist Paullus als Präfekt des Wiener Jesuitenkollegs sowie als consultator (Berater des Vorstehers des Ordenshauses), praeses casuum (Leiter der wöchentlichen Erörterungen von Gewissensfällen, v.a. der Moraltheologie) und Beichtvater belegt. 1641 wurde er vom Rektor der Universität mit Untersuchungen zu gewalttätigen Ausschreitungen von Studenten gegen die jüdische Gemeinde betraut. In seinem Bericht spielte er die Schwere der Übergriffe deutlich hinunter und beschuldigte die Juden der Übertreibung.

Während seiner Zeit als Präfekt erteilte er die Wiener Druckgenehmigung für Galileo Galileis „Discorsi e dimonstrazioni matematiche intorno a due nuove scienze“. 1639 wird er in den Akten der Theologischen Fakultät und 1643 in jenen der Philosophischen Fakultät als kaiserlicher Kaplan genannt. 1643 entsandte ihn der Orden nach Rom. Dort war er bis 1648 Bücherzensor, später drei Jahre lang Beichtvater des Herzogspaars de Bouillon in Paris. Er starb am 17. April 1672 in Douai.

Gualterus Paullus war auch als Dichter und Schriftsteller tätig: So verfasste er diverse Gedichte zur Marienverehrung oder zur Eucharistie. Dies verband er mit Lob auf das Haus Habsburg. In „Triumphus Corporis Christi […]“ von 1661 überlieferte er die Legende von Rudolf I., der einem Priester auf dem Weg zu einer Krankensalbung sein Pferd überließ. Dieses Thema wurde noch 1803 von Friedrich Schiller in seiner Ballade „Der Graf von Habsburg“ behandelt.

Archiv der Universität Wien, J 6, Matricula Facultatis Juridicae (1633–1740), p. 10.

Archiv der Universität Wien, PH 11, Acta Facultatis Artium VI (1641–1723), p. 32.

Archiv der Universität Wien, NR 2, Protocullum Inclytae Nationis Rhenanae (1587–1714), fol. 92v.

Archiv der Universität Wien, TH 21 Matricula Facultatis Theologicae (1611–1851).

Archiv der Universität Wien, TH 16 Acta facultatis theologicae IV (1567–1666), fol. 256r, fol. 308v

Archiv der Universität Wien, CA 3.1469, Sammelakt Konflikte zwischen Universitätsangehörigen und Juden.

Ulrike Denk