Pernkopf, Eduard

o. Univ.-Prof. Dr. med.

24.11.1888–17.04.1955

geb. Rapottenstein, Österreich
gest. Wien, Österreich

Eduard Pernkopf (1888–1955) als Rektor der Universität Wien

Funktion Zeitraum Fakultät
Dekan*in 1938/39–1942/43 Medizinische Fakultät
Rektor 1943/44–1944/45 Medizinische Fakultät
Eduard Pernkopf (1888–1955) als Rektor der Universität Wien
Eduard Pernkopf (1888–1955) als Rektor der Universität Wien
Eduard Pernkopf (1888–1955), Anatomie
Eduard Pernkopf (1888–1955), Anatomie
Eduard Pernkopf (1888–1955), Anatomie
Eduard Pernkopf (1888–1955), Anatomie
Antrittsvorlesung von Dekan Eduard Pernkopf in SA-Uniform nach Wiedereröffnung der Universität Wien 1938
Antrittsvorlesung von Dekan Eduard Pernkopf in SA-Uniform nach Wiedereröffnung der Universität Wien 1938
Antrittsvorlesung von Dekan Eduard Pernkopf in SA-Uniform nach Wiedereröffnung der Universität Wien 1938
Antrittsvorlesung von Dekan Eduard Pernkopf in SA-Uniform nach Wiedereröffnung der Universität Wien 1938
Schmieraktion auf der Rampe des Hauptgebäudes der Universität Wien („Pernkopf“), 8./9.4.1951
Schmieraktion auf der Rampe des Hauptgebäudes der Universität Wien („Pernkopf“), 8./9.4.1951
Rektorenfasten – ins licht gerückt. Künstlerische Intervention zu den Rektorentafeln der Universität Wien (Bele Marx & Gille…
Rektorenfasten – ins licht gerückt. Künstlerische Intervention zu den Rektorentafeln der Universität Wien (Bele Marx & Gilles Mussard), 2017
Rektor Eduard Pernkopf am Rednerpult bei einer akademischen Feier während der NS-Zeit
Rektor Eduard Pernkopf am Rednerpult bei einer akademischen Feier während der NS-Zeit

Medizin

Anatomie

Eduard Pernkopf studierte an der Universität Wien Medizin und wurde 1912 zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Seine Heimstätte wurde das II. Anatomische Institut, wo er zunächst unter dessen Vorstand Ferdinand Hochstetter schon während seines Studiums als Demonstrator und nach seiner Promotion als Assistent arbeitete. Pernkopf habilitierte sich 1921 bei Hochstetter, erhielt 1927 den Titel eines außerordentlichen Professors und 1929 eine reguläre außerordentliche Professur. 1933 folgte er seinem Lehrer und Mentor als ordentlicher Professor und Vorstand des II. Anatomischen Instituts nach.

Pernkopf war schon während seines Studiums deutschnational eingestellt und Angehöriger einer schlagenden Burschenschaft. 1933 wurde er Mitglied der NSDAP und ein Jahr darauf auch der SA (ab 1938 im Dienstgrad eines SA-Obersturmbannführers). Als überzeugter Nationalsozialist zählte er zu jenem Personenkreis, dem nach dem „Anschluss“ 1938 der Umbau und die „Säuberung“ der Universität im nationalsozialistischen Sinne anvertraut wurden. Nach der vorübergehenden Verhaftung und der Entlassung des Dekans Egon Ranzi wurde Pernkopf als Dekan mit der „Führung“ der Medizinischen Fakultät betraut. Seine Antrittsrede zum Thema „Nationalsozialismus und Wissenschaft“ hielt er im April 1938 in SA-Uniform. Er plädierte darin für die „Ausschaltung der Erbminderwertigen, durch Sterilisation und andere Mittel.“ 1943 wurde er als Nachfolger von Fritz Knoll zum Rektor der Universität Wien ernannt, eine Funktion, die er bis kurz vor Kriegsende ausübte. Im März 1945 setzte er sich nach Salzburg ab, wo er schließlich verhaftet und bis 1947 im Lager Glasenbach inhaftiert wurde.

Pernkopf wurde schon im April 1945 all seiner universitären Funktionen enthoben und trotz vieler Bemühungen von seiner Seite, aber auch von Teilen der Professoren- und Studentenschaft, nicht mehr an der Universität angestellt. Von der Institutsleitung wurde ihm jedoch gestattet, als „Gast“ die Arbeit an seinem anatomischen Atlas fortzusetzen. 1949 erfolgte die Versetzung in den dauernden Ruhestand.

Seinen Ruf als Anatom verdankte Pernkopf dem von ihm herausgegebenen mehrbändigen anatomisch-topografischen Atlas, der weit über die Grenzen Österreichs hinaus Jahrzehnte lang als Referenzwerk für Anatomen und Chirurgen galt. In den 1990er Jahren initiierten amerikanische und kanadische Wissenschafter*innen sowie die israelische Gedenkorganisation Yad Vashem die Klärung der Frage, ob Leichen von Opfern des NS-Regimes als Vorlage für dessen anatomische Zeichnungen im „Pernkopf-Atlas“ gedient hatten. Nach ersten Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte 1995/96 beauftragte der Akademische Senat der Universität Wien 1997 eine umfassende Untersuchung sämtlicher medizinischer Institute auf das mögliche Vorhandensein von sterblichen Überresten von NS-Opfern. Die vom Senat eingesetzte Kommission aus Historiker*innen und Mediziner*innen legte 1998 einen umfangreichen Endbericht vor, der auch die Rolle der Medizinischen Fakultät und besonders der anatomischen Wissenschaft in der NS-Zeit thematisierte. Es gilt demnach als sicher, dass die Leichen Hingerichteter aus dem Landgericht Wien der Anatomie zur Verfügung gestellt wurden, darunter auch zahlreiche Opfer der NS-Justiz. In welchem Umfang deren Präparate zur Erstellung des Atlas herangezogen wurden, war im Einzelfall jedoch nicht mehr festzustellen.

Autor*innen

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert

05.10.2026

Versionierter Zitationslink

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Literatur und gedruckte Quellen

Roman Pfefferle, Hans Pfefferle, Glimpflich entnazifiziert. Die Professorenschaft der Universität Wien von 1944 in den Nachkriegsjahren (Göttingen 2014), online unter https://books.google.at/books?id=n_R_BgAAQBAJ.
Claudia Andrea Spring, Zwischen Krieg und Euthanasie. Zwangssterilisationen in Wien 1940–1945 (Wien 2009).
Ingrid Arias, Entnazifizierung an der Wiener Medizinischen Fakultät: Bruch oder Kontinuität? Das Beispiel des Anatomischen Instituts. Österreichische Wissenschaftsgeschichte 31 (2004) (2004) 339–369.
Wolfgang Lamsa, Pernkopf-Atlas. Die Inaugurationsrede des Eduard Pernkopf und seine „wissenschaftliche“ Arbeit. Siegfrieds Köpfe. Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus an der Universität Wien, 2002, 135–145, online unter http://www.contextxxi.at/context/content/view/162/93/index.html.
Peter Malina, Gustav Spann, Senatsprojekt der Universität Wien „Anatomische Studien in Wien 1938–1945“. Wiener Klinische Wochenschrift 111 (1999) (1999) 743–753.
Peter Malina, Auf der Suche nach Eduard Pernkopf. Bericht über eine bibliographische Recherche. Medien & Zeit. Kommunikation in Vergangenheit und Gegenwart 14 (1999) (1999) 4–15.
Gustav Spann, Universität Wien | Akademischer Senat (Hg.), Untersuchungen zur anatomischen Wissenschaft in Wien 1938–1945. Senatsprojekt der Universität Wien. Endbericht. 2. korr. Auflage. (Wien 1998).
Peter Malina, Eduard Pernkopf. Versuch einer „stratigraphischen“ Biographie. In: Untersuchungen zur anatomischen Wissenschaft in Wien 1938–1945. Senatsprojekt der Universität Wien. Endbericht, herausgegeben von Gustav Spann, 420–458 (Wien 1998).
Peter Malina, Eduard Pernkopfs Anatomie oder: Die Fiktion einer „reinen“ Wissenschaft. Wiener Klinische Wochenschrift 109 (1997) (1997) 935–943.
Eduard Pernkopf, Universität Wien, Universität und Wissenschaft. Antrittsrede des neuen Rektors der Universität Wien. In: Die feierliche Rektorsinauguration der Universität Wien 1943, 28–63 (Brünn and München and Wien 1944).