Odendorp, Heinrich (von)

Mag. art., Dr. jur.

14. Jahrhundert

geb. Odendorf, Deutschland

Heinrich (von) Odendorp

(Henricus Odindorff bzw. de Odendorp de Colonia)

Gest. um 1400

Funktion Zeitraum Fakultät
Rektor 1385/86
Dekan*in 1387 Juridische Fakultät

Heinrich von Odendorp – benannt nach seinem Herkunftsort Odendorf (heute Gemeinde Swistal, Nordrhein-Westfalen) – war der erste graduierte Jurist, der zum Rektor der Universität Wien gewählt wurde. Er studierte die artes liberales in Paris, wo er 1374 zum Bakkalar und ein Jahr später zum Magister artium promoviert wurde. 1378 erlangte er an der Universität Orléans das Lizenziat der Rechte. In der Folge war er vermutlich wieder in Paris tätig, von wo er 1383 gemeinsam mit anderen Theologen und Juristen nach Wien kam.

In Wien wurde er im Wintersemester 1384/85 in die Universitätsmatrikel eingetragen. Hier lehrte er zunächst an der Artistenfakultät und wurde 1385 in das Collegium ducale aufgenommen. Im Sommersemester dieses Jahres fungierte er als Prokurator der Rheinischen Nation und wurde im Wintersemester 1385/86 zum Rektor gewählt. 1387 hielt er sich in Padua auf, wo er zum Doktor des Kirchenrechts promoviert wurde. Dieser Aufenthalt kann allerdings nur kurz gewesen sein, da er im Sommersemester desselben Jahres in Wien das Amt des Juristendekans bekleidete. In den Jahren 1388/89 war er vermutlich an der Redaktion der Statuten der Juridischen Fakultät beteiligt, außerdem gehörte er der Kommission an, die sämtliche Fakultätsstatuten vor dem Inkrafttreten auf ihre Rechtskonformität prüfte.

Von Heinrich Odendorp ist zumindest ein Traktat überliefert. Die Abhandlung über den 21. Kanon des vierten Laterankonzils (1215) „Omnis utriusque sexus“ war vermutlich als Vorlesung konzipiert, da sich im Titel etlicher Abschriften die Bezeichnung lectura findet. Diese Konzilsbestimmung verpflichtete die Gläubigen zu mindestens einer Beichte pro Jahr und die Geistlichen zur Wahrung des Beichtgeheimnisses. Der Traktat, der dem Freisinger Bischof Berthold von Wehingen gewidmet war, ist in zahlreichen Abschriften und Drucken überliefert und erfreute sich offenkundig großer Beliebtheit. Der Universitätshistoriker Joseph Aschbach schreibt Odendorp zusätzlich mehrere „Tractatus de confessione, poenitentia et eucharistia“ sowie einen „Tractatus varii juridicii“ zu, die jedoch in aktuellen Handschriftenverzeichnissen nicht aufscheinen.

Heinrich Odendorp, der in den Jahren 1389/90 auch als Kanoniker in Köln aufscheint, starb ungefähr 1399/1400 – möglicherweise an der gerade in Wien grassierenden Pest.

Autor*innen

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert

24.09.2026

Versionierter Zitationslink

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Literatur und gedruckte Quellen

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Joseph von Aschbach, Geschichte der Wiener Universität im ersten Jahrhunderte ihres Bestehens. Festschrift zu ihrer fünfhundertjährigen Gründungsfeier. Geschichte der Wiener Universität. Bd. 1 (Wien 1865), online unter http://phaidra.univie.ac.at/o:91414 UBW Volltext auf Phaidra - Universität Wien.
Joannes Joseph Locher, Speculum academicum Viennensis seu Magistratus antiquissimae et celeberrimae Universitatis Viennensis, a primo ejusdem auspicio ad nostra tempora chronologice, historice, et lemmatice (Wien 1773), online unter http://phaidra.univie.ac.at/o:296305.