Lunzer-Lindhausen (geb. Pig), Marianne

Univ.-Prof. Dr. phil.

22.07.1919–29.07.2021

geb. Wien, Österreich

Marianne Lunzer (1919-2021), Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Marianne Lunzer-Lindhausen (geb. Pig)

Marianne Lunzer (1919-2021), Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Marianne Lunzer (1919-2021), Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Marianne Lunzer promovierte 1942 an der Universität Wien zum Dr. phil. Ihre Laufbahn begann Lunzer als „Verwalterin einer Assistentenstelle“ im Wintersemester 1942/43 am eben erst eröffneten Institut für Zeitungswissenschaft der Universität Wien. 1944 betraute sie der Institutsvorstand Karl O. Kurth, der freiwillig zur deutschen Wehrmacht einrückte, mit seiner Stellvertretung. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus konnte nur sie als nichtbelastete Person am Institut verbleiben. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass schon im März 1946 wieder erste Vorlesungen und Übungen abgehalten werden konnten. Welche Schwierigkeiten ihr in der männerdominierten Welt der Nachkriegszeit gegenüberstanden, bezeugt eine Aussage, die am Dekanat der Universität Wien die Runde machte: Sie ist ja hübsch, aber frech. Erst 1954 erhielt sie die Venia für Zeitungswissenschaft. 1973 erfolgte ihre Ernennung zum ao. Univ.-Prof. neuen Typs.

Nach dem Tode des Institutsvorstandes Kurt Paupié im Dezember 1981 übernahm sie die Leitung des Instituts. Diese hatte sie bis zu ihrer Emeritierung Ende 1985 inne.

Die eigene Forschung musste sie als Ordinaria etwas zurücknehmen. Der Medienpolitik in der Ersten Republik sowie der Frau als Leserin im 18. Jahrhundert galten ihre Schwerpunkte. Stets daran interessiert, ein für jede Individualität offenes und fruchtbares Klima zu schaffen, lag es ihr an, ihre Forschungsergebnisse direkt in den Dienst der Lehre zu stellen, umweglos, in Kommunikation mit den Studierenden, ihren AdressatInnen, zu vermitteln und auf Forschungspraktikumsebene im Dialog zu vertiefen und verdichtend zu erweitern. Gestaltete sie den Strom fachlicher Entwicklung mit, so nährte sie ihn gleichermaßen kontinuierlich durch Aufschließen neuer Quellen. Mediengeschichte wurde durch sie in Österreich mündig. Sie ging in die Geschichte des Instituts als Wegbereiterin und Wegbeschreiterin moderner Mediengeschichte in Österreich ein.

Am 29. Juli 2021, sechs Tage nach ihrem 102. Geburtstag, verschied Marianne Lunzer in Wien.

Siehe auch

> Nachruf auf Marianne Lunzer von Wolfgang Duchkowitsch (abgerufen am 19.02.2026)
> Biographisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft (abgerufen am 16.05.2025)

Autor*innen

Wolfgang Duchkowitsch

Zuletzt aktualisiert

30.07.2026

Versionierter Zitationslink

https://geschichte-v2026.visuelles.xyz/de/node/31354/revisions/35082/view

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Literatur und gedruckte Quellen

Martina Thiele, Michael Meyen, Thomas Wiedemann (Hg.), Marianne Lunzer-Lindhausen. Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft (Köln 2015), online unter http://blexkom.halemverlag.de/marianne-lunzer-lindhausen/.
Wolfgang Duchkowitsch, Hannes Haas, Marianne Lunzer-Lindhausen zum 90. Geburtstag. Medien & Zeit 24, Nr. 3 (2009) (2009) 64.
Wolfgang Duchkowitsch, Lunzer-Lindhausen, Marianne. In: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben – Werk – Wirken, herausgegeben von Brigitta Keintzel, Ilse Korotin, 486-487 (Wien 2002).
Wolfgang Duchkowitsch, Kreativität aus der Krise. Konzepte zur gesellschaftlichen Kommunikation in der Ersten Republik. Festschrift für Marianne Lunzer-Lindhausen (Wien 1991).
Marianne Lunzer-Lindhausen, Wege der Pressegeschichte am Wiener Institut. In: Wege zur Kommunikationsgeschichte, herausgegeben von Manfred Bobrowsky, Wolfgang R. Langenbucher, 111–116 (München 1987).
Wolfgang Duchkowitsch, Mediengeschichte. Forschung und Praxis. Festgabe für Marianne Lunzer-Lindhausen zum 65. Geburtstag (Wien 1985).