Ausbildung
Geboren in Prag als zweites Kind des Industriellen Alois Louis Schwarz (1859–1930) und seiner Frau Johanna, geb. Posamentier (1863–1939), verbrachte Heinrich Schwarz seine Kindheit und seine gesamte Schullaufbahn in Wien. Er absolvierte das Akademische Gymnasium in Wien 1, Beethovenplatz 1, wo er am 14. Juli 1913 die Reifeprüfung (Matura) ablegte und begann anschließend im Wintersemester 1913/14 an der Universität Wien Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Philosophie zu studieren. Nach dem zweiten Semester musste er unterbrechen, da er im Ersten Weltkrieg von Oktober 1914 bis 1918 zur Militärdienstleistung bei der Militärkunst/Feldartillerie im Einsatz war. Ab Sommersemester 1918 konnte Schwarz sein Kunstgeschichtestudium bei Max Dvořák wieder fortsetzen. Er verfasste seine Dissertation zum Thema „Die Anfänge der Lithografie in Wien“, die nach dem Tod Dvořáks im Februar 1921 im Mai von Josef Strzygowski approbiert wurde. Er promovierte am 8. Juli 1921 zum Dr. phil.
Wirken in Wien
Anschließend arbeitete Schwarz ab Oktober 1922 ein halbes Jahr unbezahlt als Volontär in der druckgrafischen Abteilung der Albertina. Ab April 1923 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der neu geschaffenen Österreichischen Galerie im Belvedere unter F. M. Haberditzl tätig. Hier stieg er im Dezember 1927 zum Vertragsangestellten des wissenschaftlichen Dienstes, dann zum wissenschaftlichen Assistenten, 1935 zum Kustos II. Klasse und 1938 zum Kustos I. Klasse auf. Hier kuratierte er zahlreiche Ausstellungen zur Kunst des 19. Jahrhunderts, darunter 1928/29 die erste fotohistorische Ausstellung nach dem Ersten Weltkrieg (über den schottischen Maler und Fotografen David Octavius Hill). Dies und seine 1931 publizierte Monografie über D. O. Hill machten Schwarz zum führenden Fotohistoriker des Landes. Er war an der Galerie auch für ausländische Ausstellungen sowie für die Biennale von Venedig 1934 zuständig. Als Fotografenmeister (1931) erwarb sich Schwarz besondere Verdienste für die kunsthistorische Anerkennung der Fotografie.
Vertreibung
Nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus und dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde Heinrich Schwarz als getaufter Jude („Nichtarier“) am 4. April 1938 aus dem Staatsdienst entlassen.
Er musste vor der NS-Verfolgung aus dem Land fliehen und einen Teil seiner Bibliothek und seiner bereits umfangreichen Kunstsammlung mit Gemälden, Zeichnungen, Stichen und Fotografien verkaufen. Es gelang ihm, im März 1939 zunächst nach Kopenhagen/Dänemark und dann weiter nach Stockholm/Schweden auszureisen. Anfang 1940 konnte er von dort über Oslo/Norwegen mit der SS Bergensfjord in die USA einreisen und kam am 3. Februar 1940 in New York an.
Wirken in den USA
Nach der Einreise in die USA arbeitete Schwarz 1941 bis 1942 in der Albright Art Gallery in Buffalo, NY, und von 1943 bis 1953 als Kustos für Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafik am Museum of Art der Rhode Island School of Design in Providence, RI. Er erhielt im September 1945 die 1940 beantragte U.S.-Staatsbürgerschaft und heiratete im Juli 1948 die aus Budapest/Ungarn stammende Elisabeth Arany, geb. Goldberger (1911–1990). Mitte der 1950er-Jahre stellte er in Österreich Anträge auf Entschädigung für in der NS-Diktatur erlittene Berufsschäden (Beamtenpension nach dem Beamtenentschädigungsgesetz ab 1954) und den Verlust von Wertpapieren, Wohnungseinrichtung und seiner Bibliothek, jedoch erfolglos. Erst im Zuge der Provenienzforschung der Albertina in Wien wurden 2023 zwei Zeichnungen aus seiner ehemaligen Sammlung zur Rückgabe an seine Nachfahren empfohlen.
Heinrich Schwarz wechselte 1954 als Gastprofessor für Kunstgeschichte und Kurator der Davison Art Collection an die Wesleyan University, Middletown, CT. Dort lehrte und forschte er – ab 1956 als ordentlicher Professor – bis zu seiner Emeritierung 1962, bzw. wirkte als Kurator der Art Gallery bis 1972 weiter. Er hatte Gastprofessuren in Wellesley (1953/54), Mt. Holyoke (1954) und an der Columbia University in New York, NY (1966–1968) inne. Schwarz gründete auch die „Friends of the Davison Art Center“. Seine Schwerpunkte lagen zunächst auf dem Einfluss der Maschine auf die Kunst im Laufe der Jahrhunderte, der frühen Fotografie und der Ikonografie, insbesondere der Symbolik der Eule und des Spiegels in der Kunst.
Werke
Schwarz war Autor und Herausgeber zahlreicher kunst- und fotografiehistorischer Werke wie etwa:
Galerie des 19. Jahrhunderts. Wissenschaftlicher Katalog (gem.m. Franz Martin Haberditzl und Bruno Grimschitz, 1924).
Salzburg und das Salzkammergut: eine künstlerische Entdeckung in hundert Bildern des neunzehnten Jahrhunderts (1926).
Künstlerdokumente zu den Werken der Galerie des 19. Jahrhunderts (1928).
David Octavius Hill. Der Meister der Photographie (1931).
Das Barockmuseum im Unteren Belvedere. Wissenschaftlicher Katalog (gem.m. Franz Martin Haberditzl und Bruno Grimschitz, 1934).
Galerie des neunzehnten Jahrhunderts im Oberen Belvedere (1937).
Kunst und Fotografie: Vorläufer und Einflüsse: Ausgewählte Essays (hg. v. William E. Parker, 1985)
Techniken des Sehens – vor und nach der Fotografie. Ausgewählte Schriften 1929–1966 (hg. v. Anselm Wagner, 2006).
Ehrungen
Heinrich Schwarz wurde 1964 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Sein Name befindet sich auf dem 2008 enthüllten 'Denkmal für Ausgegrenzte, Emigrierte und Ermordete des Kunsthistorischen Instituts der Universität Wien' am Campus der Universität Wien.
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