Freud, Sigmund

tit. o. Univ.-Prof. Dr.

06.05.1856–23.09.1939

geb. Freiberg, Mähren | Příbor, Tschechien
gest. London, Vereinigtes Königreich

Sigmund Freud (1856–1939), Psychoanalyse

Sigmund Freud

Neurologe, Begründer der Psychoanalyse, einflussreicher Denker, Kulturtheoretiker

„Sigmund Freuds bis heute umstrittene Entdeckung des Unbewussten zählt zu den folgenreichsten Konzepten in der Geschichte der Humanwissenschaften – ein Konzept, das die Philosophie und Psychologie ebenso beeinflusste wie die Künste, die Literatur, die Kulturwissenschaften und die moderne Hirnforschung.“
Konrad Paul Liessmann, Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik an der Universität Wien

Ehrung Titel Fakultät Datierung
Denkmal Arkadenhof Medizinische Fakultät 1955

Kopie einer Büste, welche 1920 im Auftrag des Freud-Schülers Max Eitingen (1881 bis 1943) von Paul Königsberger modelliert worden war. Anfertigung und Aufstellung wurden durch eine Spendensammlung, organisiert von Prof. Hans Hoff, finanziert. Das Denlmal wurde 1955 enthüllt. Das Original der Büste befindet sich im Freud Museum Wien.

siehe auch u:monuments: Denkmal Sigmund Freud

Tor der Erinnerung Freud-Tor 1998/99

Sigmund Freud (1856–1939), Psychoanalyse
Sigmund Freud (1856–1939), Psychoanalyse
Sigmund Freud mit seiner Tochter Anna in den Dolomiten
Sigmund Freud mit seiner Tochter Anna in den Dolomiten
Denkmal für Sigmund Freud (1856–1939) im Arkadenhof der Universität Wien, gestaltet von Paul Königsberger, enthüllt 1955
Denkmal für Sigmund Freud (1856–1939) im Arkadenhof der Universität Wien, gestaltet von Paul Königsberger, enthüllt 1955
Enthüllung des Denkmales für Sigmund Freud im Arkadenhof der Universität Wien durch Rektor Johann Radon, 1955
Enthüllung des Denkmales für Sigmund Freud im Arkadenhof der Universität Wien durch Rektor Johann Radon, 1955
Sigmund Freud auf der Vorderseite der 50 Schilling-Note (1987)
Sigmund Freud auf der Vorderseite der 50 Schilling-Note (1987)

Sigmund Freud übersiedelte mit seinen Eltern 1859 von Mähren nach Wien und besuchte das Leopoldstädter Gymnasium. Er studierte an der Universität Wien und wurde 1881 zum Doktor der Medizin promoviert. Er begann sich sehr bald mit der Erforschung des Nervensystems zu beschäftigen und habilitierte sich 1885 für Neuropathologie. Nach einem Forschungsaufenthalt in Paris ließ er sich in Wien als Arzt nieder. Er war weiterhin wissenschaftlich tätig und wandte sich mehr und mehr der Erforschung seelischer Krankheiten ohne organischem Befund zu. Über seine Theorie der Neurosenentwicklung gelangte Freud zu grundlegend neuen Ansichten über das Seelenleben und entwickelte daraus die Wissenschaft von den unbewussten seelischen Vorgängen. Seine Lehren bilden das Fundament der modernen Tiefenpsychologie. Freud entwickelte das psychoanalytische Therapieverfahren (Psychoanalyse), bei dem er zugleich seine Einsichten in die Triebstruktur menschlichen Verhaltens gewann. Zu seinen wichtigsten Werken zählen unter anderen „Die Traumdeutung“ (1900/01), „Totem und Tabu“ (1913), „Das Ich und das Es“ (1923), „Das Unbehagen in der Kultur“ (1930). Freuds Schriften wirkten weit über den engeren Fachbereich hinaus und veränderten die Vorstellungen vom Menschen und seinem Verhalten nachhaltig. Seine Lehren waren vor allem wegen der zentralen Bedeutung, die er dem Sexualtrieb beimaß, unter den Zeitgenossen heftig umstritten, wobei auch antisemitische Ressentiments eine große Rolle spielten. Obwohl er keinen eigenen Lehrstuhl an der Wiener Universität erhielt – 1902 wurde ihm der Titel eines außerordentlichen Professors, 1919 der Titel eines ordentlichen Professors verliehen -, konnte er einen Schülerkreis um sich scharen („Mittwochabendgesellschaft“) und die Psychoanalyse weltweit etablieren. 1934 erlosch seine Lehrbefugnis an der Universität Wien; schon schwer erkrankt, wurde er 1938 von den Nationalsozialisten zur Emigration nach England gezwungen.

Er wurde an der Universität Wien geehrt durch die Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof 1955 und durch die Benennung eines der „Tore der Erinnerung“ am Campus der Universität Wien nach ihm und seiner Tochter Anna Freud 1998 (Freud-Tor, Spitalgasse Mitte).

Autor*innen

Thomas Maisel

Zuletzt aktualisiert

24.09.2026

Versionierter Zitationslink

https://geschichte-v2026.visuelles.xyz/de/node/28458/revisions/34345/view

Druckversion

Druckversion öffnen

Literatur und gedruckte Quellen

Harald Seewann, Zwei namens Freud in der A.V. Kadimah Wien. Arbeitskreis der Studentenhistoriker – AKSt (Steinhagen 2021), online unter http://studentenhistoriker.eu/?p=2006.
Katharina Hötzenecker, Christoph Limbeck-Lilienau, Dieter Schweizer, Bea Laufersweiler, Innovation durch Grundlagenforschung. Der Beitrag wissenschaftlicher Theorien und Entdeckungen zum gesamtgesellschaftlichen Fortschritt. Begleitheft zur Ausstellung an der Universität Wien (Wien 2016), online unter http://phaidra.univie.ac.at/o:560305.
Johannes Feichtinger, Die verletzte Autonomie. Wissenschaft und ihre Struktur in Wien 1848 bis 1938. In: Universität – Forschung – Lehre. Themen und Perspektiven im langen 20. Jahrhundert, herausgegeben von Katharina Kniefacz, Elisabeth Nemeth, Herbert Posch, Friedrich Stadler, 261-292 (Göttingen 2015), online unter http://www.vr-elibrary.de/doi/pdf/10.14220/9783737002905.261.
Johannes Feichtinger, Wissenschaft als reflexives Projekt. Von Bolzano über Freud zu Kelsen: österreichische Wissenschaftsgeschichte 1848–1938 (Bielefeld 2010).
Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien (Wien 2007).
Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien in 5 Bänden (Wien 2004).
Harald Seewann, Sigmund Freud und die Akademische Verbindung Kadimah Wien. Studenten-Kurier 15 (2000) (2000) 15–16.
Alfred Ebenbauer, Wolfgang Greisenegger, Kurt Mühlberger, Historie und Geist. Universitätscampus Wien Band 1 (Wien 1998).
Ernst Federn, Die Emigration von Anna und Sigmund Freud. Eine Fallstudie. In: Vertriebene Vernunft II. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft 1930–1940, herausgegeben von Friedrich Stadler, 2. Aufl., 247–251 (Münster).