Karl Bühler wurde an der Universität Freiburg im Breisgau zum Doktor der Medizin promoviert (1903) und betrieb psychologisch-philosophische Parallelstudien, die er in Straßburg fortsetzte. 1904 erwarb er dort auch das Doktorat der Philosophie. In den folgenden Jahren wirkte er als Assistent und Dozent an den Universitäten Würzburg und Bonn, war von 1913 bis 1918 Dozent in München und erhielt 1918 einen Psychologie-Lehrstuhl an der Technischen Hochschule Dresden. Im Zuge der Neubesetzung aller drei philosophischen Lehrkanzeln an der Universität Wien wurde Karl Bühler 1921 eine Professur angeboten, die er ein Jahr später annahm. Seine Professorenstelle wurde als "Ordinariat der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Psychologie und experimenteller Pädagogik" spezifiziert. In Zusammenarbeit mit seiner Frau Charlotte Bühler wirkte er am Aufbau des neugegründeten Psychologischen Instituts und einer weltweit anerkannten Psychologenschule mit. Durch seine Forschungen - im Bereich Sprache und Kreativität - trug Bühler neben Sigmund Freud entscheidend zur Entwicklung der Psychologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei. Er betätigte sich auch im Bereich der Lehrerbildung an der Pädagogischen Akademie der Stadt Wien und wirkte - gemeinsam mit seiner Frau Charlotte - bahnbrechend für die Etablierung der empirischen Sozialforschung. Er schrieb wegweisende wissenschaftliche Arbeiten auf den Gebieten der Gestalt- und Kinderpsychologie sowie der Sprachtheorie; zu den wichtigsten zählen "Die geistige Entwicklung des Kindes" (1918), "Die Krise der Psychologie" (1927), "Ausdruckstheorie" (1933), "Sprachtheorie" (1934), "Die Zukunft der Psychologie und die Schule" (1936). Unter seinen Schülern und Mitarbeitern befanden sich unter anderem Paul Lazarsfeld, Marie Jahoda und Karl Popper. Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 wurde Karl Bühler von der Gestapo verhaftet und mehr als sechs Wochen in "Schutzhaft" gehalten. Ihm und seiner Frau blieb nur der Weg in die Emigration. 1940 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft und wurde Professor für Psychologie am St. Scholastica College in Duluth, Minnesota und lehrte daneben auch am College of St. Thomas, St. Paul, Minnesota. 1945 wechselte er als Assistant Clinical Professor of Psychiatry an die Medical School der University of Southern California, Los Angeles und wurde anschließend für zwei Jahre Consulting Psychologist am Cedars of Lebanon Hospital in Los Angeles. Obwohl es Karl Bühler in den USA gelang, Professorenstellen zu erhalten, konnte er die geistige Trennung von seiner früheren Wirkungsstätte nie verkraften.
Im Jahr 2014 erwarb die Universität Wien den "Exil-Nachlass" des Ehepaares Charlotte und Karl Bühler, der sich seitdem im Archiv der Universität Wien befindet und der Forschung zugänglich ist.
Janette Friedrich, Gerhard Benetka, 100 Jahre Psychologisches Institut der Universität Wien - die lokale Komponente wissenschaftlicher Forschung. Ein Arbeitsbuch. Buehleriana. Bd. 1 (2) (Lausanne 2026), online unter https://karlbuehler.org/pub-257007.
Janette Friedrich, Gerhard Benetka, Karl Bühler und das Wiener Psychologische Institut oder die Bedeutung des Lokalen. Buehleriana. Bd. 2 (Lausanne 2022), online unter https://karlbuehler.org/pub-216559.
Janette Friedrich, Karl Bühler und das Wiener Psychologische Institut : Dokumente und Fundstücke. Bühleriana. Originalausgabe. Bd. 1 (Lausanne 2022), online unter https://karlbuehler.org/pub-216558.
Janette Friedrich, Karl Bühlers Krise der Psychologie. Positionen, Bezüge und Kontroversen im Wien der 1920er/30er Jahre. Veröffentlichungen des Instituts Wiener Kreis (Berlin 2018).
Maria Czwik, Forschungen zum Film am Psychologischen Institut der Universität Wien in den 1930er Jahren. Versuch einer Übersicht. In: Karl Bühlers Krise der Psychologie. Positionen, Bezüge und Kontroversen im Wien der 1920er/30er Jahre, herausgegeben von Janette Friedrich, 33-59 (Berlin 2018).
Hans-Joachim Dahms, Der Neubeginn der Wiener Philosophie im Jahre 1922. Die Berufungen von Schlick, Bühler und Reininger. In: Karl Bühlers Krise der Psychologie. Positionen, Bezüge und Kontroversen im Wien der 1920er/30er Jahre, herausgegeben von Janette Friedrich, Friedrich Stadler, 3-32 (Berlin 2018).
Johannes Feichtinger, Die verletzte Autonomie. Wissenschaft und ihre Struktur in Wien 1848 bis 1938. In: Universität – Forschung – Lehre. Themen und Perspektiven im langen 20. Jahrhundert, herausgegeben von Katharina Kniefacz, Elisabeth Nemeth, Herbert Posch, Friedrich Stadler, 261-292 (Göttingen 2015), online unter http://www.vr-elibrary.de/doi/pdf/10.14220/9783737002905.261.
Achim Eschbach, Gabi Willenberg, Karl Bühler. In: Vertriebene Vernunft II. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft 1930–1940, herausgegeben von Friedrich Stadler, 2. Aufl., 297–305 (Münster).
Werner Röder, Herbert A. Strauss, Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 | International Biographical Dictionary of Central European Emigres 1933–45 [4 Bände]. 4 Bd. (München, New York, London).