Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938, Außenansicht

Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938

2009–21. Jahrhundert

An der Universität Wien wurden mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus 1938 über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität aus ‚rassischen’ und/oder ‚politischen’ Gründen entlassen und in der Folge vertrieben und/oder ermordet. Über 70 Jahre nach dem sogenannten „Anschluss“ erinnert die Universität Wien seit 2009 an dieses Unrecht und ist sich zugleich der Mitverantwortung für dieses unfassbare Leid bewusst, das auch den Angehörigen der Universität Wien damals zugefügt wurde. Die Namen der entlassenen, vertriebenen und entrechteten Frauen und Männer sind in diesem Gedenkbuch erstmals verzeichnet. Die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien, unter Einschluss der inzwischen selbstständig gewordenen großen Medizinischen Fakultät, werden so Teil des kollektiven Gedächtnis- und Erinnerungsraumes der Universität.

Zum Online-Gedenkbuch >>> http://gedenkbuch.univie.ac.at

Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938, Außenansicht
Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938, Außenansicht
Vertriebene Studierende und Lehrende 1938
Vertriebene Studierende und Lehrende 1938
Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938, Innenansicht
Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938, Innenansicht
Unterzeichnung der Präambel des Gedenkbuchs für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938 im DENK-MAL M…
Unterzeichnung der Präambel des Gedenkbuchs für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938 im DENK-MAL Marpe Lanefesch am Campus der Universität Wien
Präsentation des Gedenkbuchs für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938 im DENK-MAL Marpe Lanefesch…
Präsentation des Gedenkbuchs für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938 im DENK-MAL Marpe Lanefesch am Campus der Universität Wien
Das Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938 im DENK-MAL Marpe Lanefesch am Campus der…
Das Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938 im DENK-MAL Marpe Lanefesch am Campus der Universität Wien
Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938
Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938

Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938

In der Präambel des Gedenkbuchs ist festgehalten, dass es sich nicht um den Versuch handelt, vergangenes Unrecht ‚wieder gutzumachen’, sondern „um eine symbolische Initiative, die niemals beendet sein wird. Für die Gegenwart und Zukunft ist dieses Dokument gedacht als Erinnerung und zugleich als Mahnung an die Angehörigen der Universität: ‚Wehret den Anfängen!‘“

Das Projekt besteht aus dem handgeschriebenen Gedenkbuch, das im DENK-MAL Marpe Lanefesch (dem ehemaligen jüdischen Betpavillon des alten AKH) am Campus der Universität Wien aufbewahrt wird, sowie aus einem Online-Gedenkbuch, das die Ebenen von Gedenken und Forschung verbindet.

Es umfasst derzeit rund 1.790 Namen vertriebener Studierender, 234 Namen Betroffener von Aberkennungen akademischer Grade und rund 220 Namen von vertriebenen Professor*innen und Dozent*innen. Neben Kurzbiografien der Betroffenen werden nach Möglichkeit auch Fotografien, Dokumente und lebensgeschichtliche Erinnerungen online gestellt.

Das Gedenkbuch versteht sich als „work in progress“ – trotz jahrelanger intensiver wissenschaftlicher Recherchen ist es kein abgeschlossenes Werk, vielmehr Dokument und Anlass zur Erinnerung. Es befindet sich in einem offenen Forschungsprozess, der in der Zukunft hoffentlich auch die Namen jetzt noch nicht bekannter und genannter Opfer des Nationalsozialismus zu Tage fördern wird und sie Teil dieses Gedenkbuches werden lässt. In diesem Sinne sind die Projektverantwortlichen dankbar für entsprechende Hinweise. Das Gedenkbuch wird laufend aktualisiert und ergänzt. Das Internet bietet die Möglichkeit eines universellen und ortsunabhängigen Zugangs zum Gedenkbuch. Eine bei jedem Eintrag prominent platzierte integrierte Feedbackfunktion dient als Schnittstelle für einen Austausch mit Angehörigen von Betroffenen und zur weiteren Vervollständigung der Forschungen.

Über das Online-Gedenkbuch hat sich seit 2009 ein reger Austausch mit der Kinder- und Enkelgeneration der Vertriebenen ergeben. Mit ihrer Hilfe konnte das Redaktionsteam laufend weitere (Bildungs-)Biografien Vertriebener festhalten, erweitern und bekannt machen. Wissen, persönliche Erinnerungen und Dokumente aus dem privaten bzw. familialen Gedächtnis können so mit den Ergebnissen klassischer historischer Forschung in Verbindung gebracht werden und diese auch verändern. Von den Angehörigen Betroffener wird das Gedenkbuch in seiner individuellen Ehrungs- und Andenkens-Funktion sehr geschätzt, von Studierenden und Forschenden auch als Quelle für Forschungen.

Das Gedenkbuch ist ein Projekt des Forums „Zeitgeschichte der Universität Wien“ am Institut für Zeitgeschichte, Redaktion: Herbert Posch.

Autor*innen

Katharina Kniefacz, Herbert Posch

Zuletzt aktualisiert

10.04.2026

Versionierter Zitationslink

https://geschichte-v2026.visuelles.xyz/de/node/27322/revisions/31382/view

Druckversion

Druckversion öffnen

Literatur und gedruckte Quellen

Katharina Kniefacz, Herbert Posch, Bildungsbiografien unter den Bedingungen des Exils – Die Wiener Studierenden von 1938 und das Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938. In: Exilforschung: Österreich. Leistungen, Defizite & Perspektiven, herausgegeben von Evelyn Adunka, Primavera Driessen-Gruber, Fritz Hausjell, Irene Nawrocka, 367–391 (Wien 2018).
Katharina Kniefacz, Herbert Posch, Emigration/Remigration in den Bildungsbiografien der 1938 vertriebenen Studierenden. Das Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938. In: Bilderbuch-Heimkehr. Remigration im Kontext, herausgegeben von Katharina Prager, Wolfgang Straub, 231–242 (Wuppertal 2017).
Herbert Posch, Katharina Kniefacz, Friedrich Stadler, Online-Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938, http://gedenkbuch.univie.ac.at/ (2009), online unter http://gedenkbuch.univie.ac.at/.