Wedl, Karl

o. Univ.-Prof. Dr. med.

14.10.1815–21.09.1891

geb. Wien, Österreich
gest. Wien, Österreich

Karl Wedl (1815–1891), Histologie

Karl Wedl

Ehrung Titel Fakultät Datierung
Ehrentafel-Fakultät Medizinische Fakultät 1893

Die Ehrentafeln der Fakultäten in den Seitenaulen des Hauptgebäudes der Universität Wien wurden am 24. Mai 1893 enthüllt. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Ehrentafel der Medizinischen Fakultät eine Liste von 33 Namen von berühmten Schülern der Universität Wien, darunter jenen von Karl Wedl. Die Liste war für die Fakultät von Prof. August Emil Vogl bzw. im Auftrag des Senats von Universitätsarchivar Karl Schrauf zusammengestellt worden.

Funktion Zeitraum Fakultät
Dekan*in 1874/75 Medizinische Fakultät
Dekan*in 1875/76 Medizinische Fakultät
Rektor 1883/84 Medizinische Fakultät
Karl Wedl (1815–1891), Histologie
Karl Wedl (1815–1891), Histologie
Karl Wedl (1815–1891), Histologie
Karl Wedl (1815–1891), Histologie
Das Professorenkollegium der Medizinischen Fakultät 1882
Das Professorenkollegium der Medizinischen Fakultät 1882
Ehrentafel der Medizinischen Fakultät, Aula der Universität Wien
Ehrentafel der Medizinischen Fakultät, Aula der Universität Wien

Karl (Carl) Wedl absolvierte das Akademische Gymnasium in Wien und studierte ab 1831 Philosophie sowie ab 1833 Medizin an der Universität Wien, unter anderem bei dem Pathologen Carl von Rokitansky. 1841 promovierte er zum Doktor der Medizin und arbeitete anschließend als Praktikant im Wiener Allgemeinen Krankenhaus, als Assistent des Bezirks-Salinen- und Badearztes sowie als Augenarzt in Bad Ischl und als Sekundararzt in Salzburg. 1844 unternahm er eine Fortbildungsreise nach England und Frankreich. Parallel betrieb Wedl erste histologische Studien (Physiologie und Pathologie der Gewebe) und veröffentlichte Abhandlungen über Helminthen (parasitäre Würmer). Auf Empfehlung seines Lehrers Rokitansky wurde er 1846 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien aufgenommen, wo er sich histologischen, pathologischen sowie anatomischen Studien widmete und 1849 für Histologie (Gewebelehre) habilitiert wurde.
Auf Anregung Rokitanskys und Josef Hyrtls erfolgte 1853 Karl Wedls Ernennung zum außerordentlichen Professor. Bereits ein Jahr später, 1854, konnte Wedl in der alten Gewehrfabrik im 9. Wiener Gemeindebezirk (Währinger Straße 11-13) ein Institut für Histologie an der Universität Wien einrichten – das erste seiner Art im deutschsprachigen Raum.

Karl Wedl erlangte hohes Ansehen als Pionier der histologischen Pathologie. Er war bestrebt, die mikroskopische Untersuchung der menschlichen Gewebe als Grundlage aller Untersuchungsmethoden und klinischen Erscheinungen zu etablieren. Bereits 1854 veröffentlichte er sein 825 Seiten umfassendes Hauptwerk „Grundzüge der pathologischen Histologie“. Er entwickelte nicht nur die Präparations- und Isolationstechnik weiter, sondern bemühte sich um eine intensive Zusammenarbeit mit den führenden Klinikern der „Zweiten Wiener Medizinischen Schule“, so mit dem Chirurgen Franz Schuh über die Struktur der Pseudoplasmen oder mit dem Laryngologen Ludwig Türck über die Fettkörnchenzellen bei sekundärer Degeneration. Aus den gemeinsamen Forschungen mit dem Augenarzt Carl Stellwag von Carion entstand 1861 ein „Atlas der pathologischen Histologie des Auges“, dem 1885 noch das mit Emil Bock herausgegebene Werk „Die pathologische Anatomie des Auges“ folgte. Als Ergebnis der Kooperation mit Moriz Heider veröffentlichte Wedl zudem einen Atlas sowie eine Monografie zum Thema „Pathologie der Zähne“ (1868, 1870). Karl Wedl publizierte zahlreiche weitere Abhandlungen zur Histologie, zur vergleichenden Anatomie sowie zur Parasitologie in verschiedenen Fachzeitschriften, besonders in den „Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien“.
Ab den 1870er-K´Jahren unternahm Wedl zahlreiche Forschungsreisen, die ihn unter anderem in den Orient, nach Ägypten, in die USA (1881) sowie nach Algier, Tunis, Tripolis und nach Marokko (1886) führten.

Trotz seiner international anerkannten Leistungen wurde Karl Wedl erst 1872 zum ordentlichen Professor für Histologie – und damit zum ersten Lehrstuhlinhaber dieses Faches im deutschsprachigen Raum – ernannt. In den Studienjahren 1874/75 sowie 1875/76 fungierte er als Dekan der Medizinischen Fakultät. Kurz vor seiner Emeritierung wurde er schließlich zum Rektor der Universität Wien für das Studienjahr 1883/84 ernannt. Wedl, der dieses Amt eher widerwillig antrat, verzichtete auf eine feierliche Inauguration – auch seine Antrittsrede „Der Aberglaube und die Naturwissenschaften“ erschien lediglich in gedruckter Form –, da eine Rede seines Amtsvorgängers Friedrich Maassen zu „Gunsten der čechischen Schule“ im Oktober 1883 weite Proteste unter den deutschnationalen Studenten hervorgerufen hatte.
Wedl trat 1885 nach Erreichung seines 70. Lebensjahres den Ruhestand an. Sein Lehrstuhl wurde erst nach drei Jahren mit Viktor Ebner-Rofenstein nachbesetzt und erst 1903 wurde die Histologie als eigenes Studien- und Prüfungsfach verankert.

Karl Wedl wurde für seine Verdienste mehrfach ausgezeichnet: So wurde er 1849 zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien ernannt und gehörte ab 1861 der Gesellschaft der Ärzte in Wien, der physicalisch-medicinischen Gesellschaft in Erlangen und der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in Dresden an. Zudem wurde ihm der Hofratstitel verliehen.

Nach seinem Tod vermachte Wedl sein gesamtes Vermögen der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Wiener Akademie der Wissenschaften.
Die Universität Wien ehrte ihn 1893 mit der Eintragung seines Namens auf der Ehrentafel der Medizinischen Fakultät im Hauptgebäude der Universität am Ring. Am 14. September 1910 benannte die Stadt Wien die Wedlgasse in Wien-Landstraße (3. Bezirk) nach ihm.

Werke (Auswahl)

gem. mit Franz Müller: Beiträge zur Anatomie des zweibuckeligen Kameeles (Camelus bactrianus), 1852.
Grundzüge der pathologischen Histologie, 1854.
Rudiments of pathological histology, 1855.
Über die Bedeutung der in den Schalen von manchen Acephalen und Gasteropoden vorkommenden Canäle, 1859 
​(Hg.): Atlas der pathologischen Histologie des Auges, 1861. 
gem. mit Moritz Heider: Atlas zur Pathologie der Zähne, 1868.
gem. mit Ludwig Türck: Über die Haut-Sensibilitätsbezirke der einzelnen Rückenmarksnervenpaare, 1869.
Pathologie der Zähne, mit besonderer Rücksicht auf Anatomie und Physiologie, 1870.
The pathology of the teeth: with special reference to their anatomy and physiology, 1872.
Der Aberglaube und die Naturwissenschaft (Inaugurationsrede), 1883.
gem. mit Emil Bock: Die pathologische Anatomie des Auges, 1885

Siehe auch

> Österreichisches Biographisches Lexikon (abgerufen am 04.09.2025)
> Wien Geschichte Wiki (abgerufen am 04.09.2025)
> Deutsche Biographie (abgerufen am 04.09.2025)
> Wikisource: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (abgerufen am 04.09.2025)
​> Wikipedia ​(abgerufen am 04.09.2025)

Autor*innen

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert

23.07.2026

Versionierter Zitationslink

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Literatur und gedruckte Quellen

Karl Heinz Tragl, Chronik der Wiener Krankenanstalten (Wien and Köln and Weimar 2007).
Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien in 5 Bänden (Wien 2004).
Erna Lesky, Die Wiener Medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Studien zur Geschichte der Universität Wien 6 (Wien/Graz/Köln 1965).
P. Tower, Carl Wedl. Archives of Ophthalmology 63 (1960) (1960) 756ff.
Leopold Schönbauer, Das Medizinische Wien. Geschichte, Werden, Würdigung (Wien and Berlin 1944).
Julius Leopold Pagel, Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts (Berlin, Wien 1901).
Eduard Sueß, Karl Wedl. Almanach der Akademie der Wissenschaften in Wien für das Jahr 1892 42 (1892) (1892) 189ff.
Notizen. Wiener medizinische Wochenschrift 41, Nr. 39 (1891) (1891) 1590.
Carl Wedl. Wiener klinische Wochenschrift 4 (1891) (1891) 771ff.
Agathon Wernich, August Hirsch, Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeiten und Völker. (1884-1888) (Wien u.a. 1884).
Bernhard Hirschel, Compendium der Geschichte der Medicin von den Urzeiten bis auf die Gegenwart, mit besonderer Berücksichtigung der Neuzeit und der Wiener Schule. 2. Aufl. (Wien 1862).
Viktor Patzelt, Carl Wedl, der 1. Vorstand einer deutschsprachigen Lehrkanzel für Histologie. Anatomischer Anzeiger 100 (1853/54) (1853) (1853) 147ff.
Walther Killy, Deutsche Biographische Enzyklopädie (13 Bände, 1995 bis 2003) (Darmstadt).
Universität Wien, Die Feierliche Inauguration des Rektors der Wiener Universität für das Studienjahr … [1890–1967] an der Universität Wien (Wien).
Constantin Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche seit 1750 in den österreichischen Kronländern geboren wurden oder darin gelebt und gewirkt haben, 60 Tl (Wien).