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650 plus – Geschichte der Universität Wien

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Stefan, Josef

o. Univ.-Prof. Dr. phil.

24.03.1835–07.01.1893

geb. St. Peter | Klagenfurt, Österreich
gest. Türkenstraße 3 , Wien, Österreich

Josef Stefan (1835–1893), Physik

(Jožef Štefan)

Ehrung Titel Fakultät Datierung
Denkmal Arkadenhof Philosophische Fakultät 1896

Plastik von Amon Schmidgruber, finanziert durch ein Komitee der Chemisch-physikalischen Gesellschaft (Oberst Albert v. Obermayer), enthüllt 1896.

siehe u: monuments: Denkmal Josef Stefan

Ehrentafel-Fakultät Philosophische Fakultät 1950

Rektor Richard Meister regte im Oktober 1949 an, wieder Namen von berühmten Mitgliedern des Lehrkörpers in die Ehrentafeln der Fakultäten im Hauptgebäude der Universität Wien einzutragen. Zu diesem Zweck ersuchte er die Dekane, diese Frage in einer Fakultätssitzung zu besprechen und dem Senat Vorschläge zu unterbreiten.

Der Dekan der Philosophischen Fakultät Hans Leitmeier schlug am 25. Februar 1950 entsprechend eines Beschlusses des Professorenkollegiums vor, Ludwig Boltzmann, Julius Hann, Richard Heinzel, Josef Loschmidt, Ernst Mach, Franz Miklosich, Leo Reinisch, Theodor Sickel, Josef Stefan und Eduard Suess für die Eintragung auf der Ehrentafel vorzuschlagen.

Die Vorschläge der Dekanate wurden in der Sitzung des Akademischen Senats vom 4. März 1950 vorgelegt und einstimmig angenommen. Am 25. März 1950 wurde der Auftrag zur Eingravierung und Vergoldung von 21 Namen auf die vier Ehrentafeln der Fakultäten erteilt und im Mai 1950 umgesetzt.

Raumbenennung Josef Stefan-Hörsaal Fakultät für Physik 2009

Funktion Zeitraum Fakultät
Dekan*in 1869/70 Philosophische Fakultät
Rektor 1876/77 Philosophische Fakultät
Senator 1873/74 Philosophische Fakultät
Senator 1874/75 Philosophische Fakultät
Senator 1875/76 Philosophische Fakultät
Josef Stefan (1835–1893), Physik
Josef Stefan (1835–1893), Physik
Mitglieder des Physikalischen Instituts in der Erdbergstraße, vermutlich zwischen 1873 und 1876
Mitglieder des Physikalischen Instituts in der Erdbergstraße, vermutlich zwischen 1873 und 1876
Josef Stefan (1835–1893), Physik
Josef Stefan (1835–1893), Physik
Denkmal für Josef Stefan im Arkadenhof der Universität Wien, gestaltet von Anton Schmidgruber, enthüllt 1896
Denkmal für Josef Stefan im Arkadenhof der Universität Wien, gestaltet von Anton Schmidgruber, enthüllt 1896
Ehrentafel der Philosophischen Fakultät, Aula der Universität Wien
Ehrentafel der Philosophischen Fakultät, Aula der Universität Wien
Beschriftung des Josef-Stefan-Hörsaales der Fakultät für Physik, 2009
Beschriftung des Josef-Stefan-Hörsaales der Fakultät für Physik, 2009

Physik

Mathematik

Josef Stefan (ursprünglich slowenisch Jožef Štefan) war der Sohn des Mehlhändlers Ales (Alexius) Stefan und der Dienstmagd Marija Startinik. Seine Eltern, Südkärntner Slowenen, waren nicht verheiratet und Analphabeten. Josef Stefan besuchte die Volksschule in Klagenfurt. Um ihrem unehelichen Kind eine höhere Schuldbildung zu ermöglichen, heirateten seine Eltern, als er 11 Jahre alt war, sodass Josef Stefan 1846 in das Benediktinergymnasium in Klagenfurt eintreten konnte. Infolge der Revolution 1848 und der Einführung der slowenischen Sprache als Unterrichtsfach wurde der Philologe Anton Janežič sein Lehrer. Dieser weckte sein Interesse für seine slowenische Muttersprache. Gemeinsam mit Schulfreunden gründete er einen slowenischen Literaturkreis und begann slowenische Gedichte zu verfassen und zu veröffentlichen.
Nach Absolvierung der Reifeprüfung übersiedelte Josef Stefan 1853 nach Wien, um ein Studium der Mathematik und Physik an der hiesigen Universität aufzunehmen. Zu seinen Lehrern zählten Josef Petzval und Andreas von Ettingshausen. 1858 promovierte Stefan zum Doktor der Philosophie und begann als Physiklehrer an einer Wiener Schule zu unterrichten.

Bereits vor seinem Studienabschluss hatte Stefan 1857 seine ersten zwei wissenschaftlichen Aufsätze in „Poggendorffs Annalen der Physik“ veröffentlicht und in der Folge durch den Physiologen Carl Ludwig die Möglichkeit erhalten, das physikalischen Laboratorium der Josephs-Akademie für Experimente zu nutzen. Bereits im Jahr seiner Promotion – 1858 – konnte sich Josef Stefan an der Universität Wien für Mathematische Physik habilitieren.

In den Folgejahren lehrte er sowohl als Privatdozent an der Universität Wien als auch als Realschullehrer, bis er 1863 zum Professor der höheren Mathematik und Physik an der Universität Wien berufen wurde. Im selben Jahr übernahm er als Vizedirektor die Leitung des Physikalischen Instituts in Wien-Erdberg an der Seite des erkrankten Direktors Andreas von Ettingshausen. 1866 folgte er diesem schließlich als Institutsdirektor nach – diese Position übte Stefan bis zu seinem Tod 1893 aus.

An der Universität Wien amtierte Josef Stefan im Studienjahr 1869/70 als Dekan der Philosophischen Fakultät und 1876/77 als Rektor. Er fungierte zudem als Superintendent der Fröhlichʼschen Universitätsstiftung.

Zu seinen Schülern bzw. Mitarbeitern am ersten Physikalischen Institut zählten u. a. Josef Losschmidt, Ludwig Boltzmann, Viktor von Lang und Franz Seraphin Exner jun. Josef Stefan, der als Begründer der österreichischen Physikerschule gilt, bemühte sich, experimentelle und theoretische Physik zu verknüpfen, aufgrund der dürftigen Ausstattung des Instituts blieb seine Schule jedoch vor allem theoretisch geprägt.

Stefans wissenschaftliche Beiträge erschienen in verschiedenen Fachzeitschriften, vor allem in den „Sitzungsberichten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften“, der er seit 1860 angehörte, sowie in den „Annalen der Physik“. Er forschte und publizierte in verschiedensten Themenbereichen der Physik, so zu akustischen und optischen Phänomenen, Hydro- und Elektrodynamik. Von besonderer Bedeutung waren Stefans Forschungen zur kinetischen Gastheorie, vor allem zur Diffusion, Verdampfung und Wärmeleitung. Es gelang ihm, mittel eines selbst konstruierten Diathermometers experimentell die Wärmeleitfähigkeit von Gasen zu bestimmen. Mit seinen Experimenten konnte er zudem die Theorie James Clerk Maxwells bestätigen, dass die Wärmeleitungsfähigkeit eines Gases unabhängig vom Druck ist, und trug damit wesentlich dazu bei, dass dessen Arbeiten sich auch auf dem europäischen Kontinent durchsetzen konnten. In seiner wohl berühmtesten, 1879 veröffentlichten Arbeit „Über die Beziehung zwischen der Wärmestrahlung und der Temperatur“ konnte Stefan empirisch nachweisen, dass die von einem schwarzen Körper ausgestrahlte Wärmemenge proportional der vierten Potenz seiner absoluten Temperatur ist. Sein Schüler Ludwig Boltzmann leitete dieses Strahlungsgesetz 1884 auch theoretisch ab – 1897 erfolgte die Benennung in „Stefan-Boltzmann-Gesetz“. Mit der darin enthaltenen „Stefan-Boltzmann-Konstante“ gelang es Josef Stefan erstmals, die Oberflächentemperatur der Sonne zu berechnen.
Im Zuge seiner Beschäftigung mit der Polarisation, Interferenz und Doppelbrechung des Lichts fand Stefan eine neue Methode zur Messung der Lichtwellenlänge. Andere Forschungen brachten wichtige Erkenntnisse über die Leitung von Wechselströmen in Drähten und zur Berechnung der Induktionskoeffizienten von Drahtrollen, die für die Anwendung in der Elektrotechnik von großer Bedeutung waren. Aufgrunddessen fungierte Stefan auch 1883 Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Internationalen Elektrischen Ausstellung in Wien. 1885 leitete er auch die Internationale Stimmtonkonferenz, die den Normalton „a“ auf 435 Hertz festlegte.

Für seine vielseitigen wissenschaftlichen Leistungen wurde Josef Stefan vielfach geehrt und ausgezeichnet. Seit 1860 korrespondierendes und seit 1865 wirkliches Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, erhielt er im selben Jahr den von der Akademie erstmals verliehenen Ignaz-Lieben-Preis als Anerkennung für seine Erkenntnisse über die Natur des unpolarisierten Lichtes. Innerhalb der Akademie fungierte er 1875 bis 1885 als Sekretär der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse und ab 1885 bis zu seinem Tod als Akademiepräsident. Hier engagierte er sich auch fachlich in verschiedenen naturwissenschaftlichen Kommissionen.
Daneben gehörte Stefan zahlreichen weiteren wissenschaftlichen Akademien und Gesellschaften an, wie der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Uppsala, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München (1878), der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft in Würzburg und der Akademie der Wissenschaften in Göttingen (1892). Er war Träger mehrerer internationaler Orden.

Ende 1892 erlitt Josef Stefan einen Schlaganfall und verstarb am 7. Jänner 1893. Er wurde am Wiener Zentralfriedhof bestattet.

Die Universität Wien ehrte den berühmten Physiker 1896 mit der Aufstellung eines Denkmals (gestaltet von Anton Schmidgruber) im Arkadenhof des Hauptgebäudes. Sein Name wurde zudem 1950 in die Ehrentafel der Philosophischen Fakultät eingetragen. Im Jahr 2009 erfolgte schließlich die Benennung eines Hörsaals der Fakultät für Physik in „Josef Stefan-Hörsaal“.

An seinem Geburtshaus in St. Peter bei Klagenfurt wurde 1935 eine Gedenktafel für Josef Stefan angebracht. Nach ihm benannt ist die seit 1958 verliehene Goldene Stefan-Ehrenmedaille des Österreichischen Verbands für Elektrotechnik, das slowenische Institut „Jožef Stefan“ für Grundlagenforschung, der Mondkrater Stefan sowie der Stefan-Piedmont-Gletscher in der Antarktis.

Werke (Auswahl)

Über die Fortpflanzung der Wärme, 1863.
Ein Versuch über die Natur des unpolarisirten Lichtes und die Doppelbrechung des Quarzes in der Richtung seiner optischen Axe (In: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften Wien, Math.-Phys. Kl. 50, S. 280–393), 1865.
Ueber das Gleichgewicht und die Bewegung, insbesondere die Diffusion von Gasgemengen (In: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften Wien, Mathematisch-Physikalische Klasse 63, S. 63–124), 1871.
Untersuchungen über die Wärmeleitung in Gasen, Erste Abhandlung (In: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften Wien, Math.-Phys. Kl. 65, S. 45–69), 1872.
Über die Beziehung der Wärmestrahlung und der Temperatur (in: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften Wien, Math.-Phys. Kl. 79, S. 391–428), 1879.
Über die Theorie der Eisbildung, insbesondere über die Eisbildung im Polarmeere (In: Monatshefte der Mathematik und Physik 1, S. 1–5), 1890.

Siehe auch

> Österreichisches Biographisches Lexikon (abgerufen am 05.09.2025)
> Neue Deutsche Biographie (abgerufen am 05.09.2025)
> Allgemeine Deutsche Biographie (abgerufen am 05.09.2025)
> MacTutor History of Mathematics Archive (abgerufen am 05.09.2025)
> Wikisource: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (abgerufen am 05.09.2025)
> u: monuments: Denkmal Josef Stefan (abgerufen am 05.09.2025)
> Wien Geschichte Wiki (abgerufen am 05.09.2025)
> Wikipedia (abgerufen am 05.09.2025)
> Inštitut Jožef Stefan (abgerufen am 05.09.2025)

Archiv der Universität Wien, Akademischer Senat, GZ 6 ex 1949/50 (Ehrentafel); Philosophische Fakultät GZ 240 ex 1949/50 (Ehrentafel).

Autor*innen

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert

24.09.2026

Versionierter Zitationslink

https://geschichte-v2026.visuelles.xyz/de/node/25418/revisions/33653/view

Literatur und gedruckte Quellen

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Wolfgang L. Reiter, Institution und Forschung: Physik im Wandel 1850–1900 – eine kaleidoskopische Annäherung. In: Universität – Forschung – Lehre. Themen und Perspektiven im langen 20. Jahrhundert, herausgegeben von Katharina Kniefacz, Elisabeth Nemeth, Herbert Posch, Friedrich Stadler, 149-168 (Göttingen 2015), online unter http://www.vr-elibrary.de/doi/pdf/10.14220/9783737002905.149.
Wolfgang L. Reiter, Ludwig Boltzmann and Jožef Stefan. In: Jožef Stefan: His Scientific Legacy on the 175th Anniversary of His Birth, herausgegeben von John Crepeau, 18-36 (2014), online unter http://ebooks.benthamscience.com/book/9781608054770/.
Karl Josef Westritschnig, 180. Geburtstag von Josef Stefan: Physiker, Lehrer, Mensch: der bedeutendste Physikpionier Kärntens in einer übernationalen Habsburgermonarchie der Universität Wien (München 2014).
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Universität Wien, Übersicht der akademischen Behörden, Professoren, Privatdozenten, Lehrer, Beamten usw. an der Universität Wien : Studienjahr. […] , online unter https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/structure/29237….
Österreichisches biographisches Lexikon 1850–1950. (1951-heute) (Wien).

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