Springer, Johann

Univ.-Prof. Dr. jur.

28.12.1789–04.09.1869

geb. Reichenau, Böhmen | Rychnov, Tschechien
gest. Oberdöbling | Wien, Österreich

Johann Springer (1789–1869), Staatenkunde
Johann Springer (1789–1869), Staatenkunde
Johann Springer (1789–1869), Staatenkunde

Johann Springer, Sohn des Militärarztes Franz Springer, besuchte das Gymnasium in seiner Heimatstadt Reichenau und ab 1807 die philosophischen Jahrgänge an der Universität Prag. Anschließend studierte er ebendort von 1811 bis 1815 Rechtswissenschaften und absolvierte danach ein Praxisjahr als Advokat.

1816 zog Springer nach Wien, wo er zunächst als Erzieher und Privatlehrer im Hause des Grafen Franz von Hartig tätig war. Parallel setzte er sein Studium an der Juridischen Fakultät der Universität Wien fort, wo er Assistent von Heinrich Josef Watteroth, Professor für Politische Wissenschaften, wurde. Nach dessen Tod 1819 wurde Springer noch vor seinem Studienabschluss Supplent für Politische Wissenschaften und Österreichische Politische Gesetzeskunde. Am 10. Juli 1821 promovierte er an der Universität Wien zum Dr. jur. und wurde 1822 zum Adjunkten der juridisch-politischen Studien bestellt. Bereits im Folgejahr wurde Springer zum Professor der politischen Wissenschaften, der politischen Gesetzeskunde und der Statistik am Lyzeum in Graz (ab 1827 Karl-Franzens-Universität Graz) berufen. Im Studienjahr 1824/25 fungierte er dort als Rektor.

1826 erfolgte seine Berufung zum Professor für Statistik an der Universität Wien, 1838 kam das Fach der österreichischen Finanzgesetzkunde hinzu. Springer war Mitglied des 1845 eingesetzten Komitees, das Reformen für einen neuen juridisch-politischen Studienplan erarbeitete.
In den fast vier Jahrzehnten an der Universität Wien bis zum Antritt seines Ruhestandes 1864 wurde Johann Springer viermal – in den Studienjahren 1852/53, 1853/54, 1857/58 sowie 1861/62 zum Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät gewählt und amtierte 1855/56 als Rektor der Universität Wien. Zudem fungierte er ab 1850 als Präses der staatsrechtlich-administrativen Abteilung der Staatsprüfungskommission, ab 1853 der allgemeinen Abteilung sowie oberster Leiter aller Staatsprüfungskommissionen an der Universität Wien sowie ab als 1858 Vizepräsident der staatswissenschaftlichen Staatsprüfungskommission.

Johann Springer veröffentlichte seine wissenschaftlichen Arbeiten vor allem in Fachzeitschriften, zunächst zu verschiedenen Rechtsfragen wie Ehebruch sowie Jagd- und Forstwesen. Ab 1828 beschäftigte er sich auch in seinen Publikationen vermehrt seinem Lehrfach Statistik und lieferte vor allem in regelmäßigen Rezensionen fachkundige Einsichten in die herausragendsten Standardwerke des Faches. Als sein Hauptwerk gilt die in zwei Bänden erschienene „Statistik des österreichischen Kaiserstaates“ (1840), die sich der Statistik Österreichs im Vormärz widmet. Für seine Forschungen konnte er erst ab 1832 nach vielen Hindernissen auch auf amtliche Quellen zurückgreifen.
Springer leitete 1857 den Dritten internationalen statistischen Kongress in Wien. Zu seinen Leistungen für die Entwicklung der statistischen Wissenschaft zählt auch das Engagement für die Statistische Zentralkommission, der er ab der Gründung 1863 als außerordentliches Mitglied angehörte. Auch nach seiner Emeritierung an der Universität war er hier aktiv, lehrte etwa 1864/65 im Rahmen eines Kurses für jüngere Verwaltungsbeamte, wurde 1865 Mitglied des Spezialkomitees zur Revision der Volkszählungsvorschriften und wirkte 1866 beratend bei der Errichtung des kommunalstatistischen Büros in Wien.

Für seine Leistungen wurde Johann Springer vielfach ausgezeichnet. So wurde er 1849 zum wirklichen Mitglied der philosophisch-historischen Klasse der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien gewählt. 1850 erhielt er das Ritter-Kreuz des Franz Josephs-Ordens und wurde 1853 zum Regierungsrat und 1863 zum Hofrat ernannt.

Werke (Auswahl)

Ehebruch in seiner Ursache und seinen Folgen (In: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit I), 1825.
Grundzüge der Verfassung des Forstwesens in den deutschen, böhmischen und galizischen Provinzen des österreichischen Kaiserstaates (In: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit II), 1826.
Ueber die Gewehrwegnahme in Jagdgesetz-Uebertretungsfällen (In: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit II), 1828.
Ueber die Zweckmäßigkeit der österreichischen Wanderbücher (In: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit II), 1829.
Rangordnung der österreichischen Länder nach ihrer Größe, Volksmenge und Anzahl der Wohnplätze (In: Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung und Staatenkunde), 1831.
Verhältniß der Studirenden in Oesterreich zu den Professoren (In: Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung und Staatenkunde), 1831.
Das Erzherzogthum Oesterreich, verglichen mit mehreren Provinzen des Kaiserstaates in Hinsicht auf Volksunterricht und Verbrecherzahl (In: Beiträge zur Landeskunde Oesterreichs unter der Enns), 1831.
Uebersichten der österreichischen Literatur über Politik und Statistik von 1825 bis 1839 (In: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit II), 1835–1840.
Statistik des österreichischen Kaiserstaates (2 Bände: Band 1, Band 2), 1840.
Umständliche Relation und Beurtheilung der von der k. k. Direction der administrativen Statistik herausgegebenen Tafeln zur Statistik der österreichischen Monarchie für das Jahr 1842 (In: Jahrbücher der Litteratur 118–120), 1847.
Ergebnisse der strengen Prüfungen zur Erlangung der juridischen Doctorswürde an der Hochschule zu Wien (Vortrag), 1854.

Autor*innen

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert

24.09.2026

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Literatur und gedruckte Quellen

Hermann Ibler, Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz, Teil 2: Nationalökonomie. Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz. Bd. 9/2 (Graz 1985).
Gerhard Oberkofler, Studien zur Geschichte der österreichischen Rechtswissenschaft. Rechtshistorische Reihe 33 (Frankfurt am Main and Wien 1984).
Kurt Ebert, Die Grazer Juristenfakultät im Vormärz. Rechtswissenschaft und Rechtslehre an der Grazer Hochschule zwischen 1810 und 1848. Grazer rechts- und staatswissenschaftliche Studien. Bd. 22 (Graz 1969).
Franz Xaver von Krones, Geschichte der Karl-Franzens-Universität in Graz. Festgabe zur Feier ihres dreihundertjährigen Bestandes (Graz 1886), online unter https://reader.digitale-sammlungen.de//de/fs1/object/display/bsb1116772….
Adolf Ficker, StZK|k.k. Statistische Zentralkommission, Der Unterricht in der Statistik an den österreichischen Universitäten und Lyceen in den Jahren 1769–1875 und die literarischen Leistungen der Professoren auf diesem Gebiete. Statistische Monatsschrift 2 (1876) (1876) 49-.
Adolf Ficker, Der Unterricht in der Statistik an den österreichischen Hochschulen in den Jahren 1850—1875 und die literarischen Leistungen der Professoren auf diesem Gebiete. Statistische Monatsschrift 2 (1876) (1876) 108—124.
Johann Springer. Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1870, 1870, 113-114.
Leopold Neumann, Johann Springer (Nekrolog). Wiener Zeitung, online unter https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=18691022&seite=3.
Adolf Ficker, Johann Springer (Nekrolog). Compte rendu de la huitième session du congrès international de statistique II (1869) (1869) 458.
Leopold Neumann, Johann Springer (Nekrolog). Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik XVII, Nr. 1 (1869) (1869) 36—38.
Universität Wien, Wienerischer Universitätsalmanach [Taschenbuch der Wiener k.k. Universität | Wienerischer Universitäts-Schematismus]. 1791-1872 Bd. (Wien 1791).
Allgemeine Deutsche Biographie (56 Bd.) (München and Leipzig).
Österreichisches biographisches Lexikon 1850–1950. (1951-heute) (Wien).
Constantin Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche seit 1750 in den österreichischen Kronländern geboren wurden oder darin gelebt und gewirkt haben, 60 Tl (Wien).