Schroff, Carl Damian

o. Univ.-Prof. Dr. med.

12.09.1802–18.06.1887

geb. Kratzau, Böhmen | Chrastava, Tschechien
gest. Graz, Österreich

Carl Damian Schroff (1802–1887), Pharmakologie

Funktion Zeitraum Fakultät
Dekan*in 1850/51 Medizinische Fakultät
Rektor 1856/57 Medizinische Fakultät
Carl Damian Schroff (1802–1887), Pharmakologie
Carl Damian Schroff (1802–1887), Pharmakologie

Carl (Karl) Damian Schroff, Sohn eines Wundarztes, besuchte das Kleinseitner Gymnasium in Prag sowie die philosophischen Jahrgänge an der Universität Prag, wo er auch sein Medizinstudium absolvierte und 1828 zum Doktor der Medizin promovierte. Hier war er als Assistent des Pathologen Julius Vincenz von Krombholz tätig und wurde 1828 zum Sekundararzt ernannt. Bereits im Folgejahr übernahm Schroff als Primararzt die neugegründete Prager Irrenanstalt, wo er den PatientInnen die Beschäftigung mit Hand- und Gartenarbeiten sowie Musik und Theater ermöglichte. Zugleich wirkte er als Assistent an der Medizinischen Universitätsklinik, als psychiatrischer Gutachter sowie als ehrenamtlicher Hausarzt des Prager Taubstummeninstituts.
Ab 1830 unterrichtete er an der Chirurgenschule in Olmütz (Olomouc) als Professor Theoretische Medizin (allgemeine Pathologie, Therapie und Materia medica) für Wundärzte. Zugleich betrieb er dort eine Privatpraxis sowie ein – anlässlich der Choleraepidemie 1831 eingerichtetes – Spital.

1835 wechselte er an die Universität Wien, wo er über mehr als zwei Jahrzehnte ebenfalls Theoretische Medizin für Wundärzte lehrte. 1849 wurde er hier schließlich auf die neugegründete Professur für Allgemeine Pathologie und Pharmakologie für Ärzte berufen. Zusätzlich hielt er auch Lehrveranstaltungen über Pharmakognosie für Mediziner und Pharmazeuten ab – noch bevor das Fach 1851 offiziell an den Universitäten Österreichs eingeführt wurde.

Carl Damian Schroff galt als einer der zentralen Vertreter der Wiener Medizinischen Schule des 19. Jahrhunderts, die klar für eine naturwissenschaftliche Orientierung der Medizin plädierte. Dementsprechend richtete er die bisher eher naturphilosophisch beeinflusste Pharmakologie als eine Forschungsrichtung auf streng naturwissenschaftlichen und exakten experimentellen Grundlagen aus.
In seinen pharmakognostischen Forschungen analysierte er als einer der ersten mikrochemische Prozesse mithilfe des Mikroskops. Zudem testete er die Wirkung verschiedener Arzneidrogen in Versuchen an Tieren, freiwilligen Testpersonen sowie an sich selbst. Die Wirkungsweise sowie pharmazeutische Verarbeitung der Substanzen beschrieb er in über 140 Publikationen. So veröffentlichte er gemeinsam mit seinem Bruder Emanuel Stephan Schroff, der am Josephinum als Pharmakologe tätig war, ein Buch über „Arzneimittellehre und Receptirkunde“ (1833). 1853 und 1856 folgten Lehrbücher für Pharmakognosie und Pharmakologie. Er gestaltete auch die 5., alphabetisch geordnete Ausgabe der Österreichischen Pharmakopoe (1855) maßgeblich mit. Daneben verfasste er auch in Wien psychiatrische Gutachten.
Das unter ihm neueingerichtete Pharmakologische Institut bot Möglichkeiten für chemisch-pharmazeutische Analysen sowie Tierversuche. Für die Anlage eines medizinisch-pharmazeutisches Herbarium zu Lehrzwecken stellte Schroff über 1100 Exemplare aus seiner eigenen Sammlung zur Verfügung und erweiterte dieses sukzessive, etwa im Rahmen von Forschungsreisen (u. a. von Teilnehmern der Novara-Expedition 1859). Zudem konnte das Institut auf eine pharmakognostische Sammlung sowie Instrumente des pharmazeutischen Kabinetts zurückgreifen.

Innerhalb der Universität Wien fungierte Carl Damian Schroff im Studienjahr 1850/51 als Dekan der Medizinischen Fakultät und 1856/57 wurde er zum Rektor gewählt. In seiner Inaugurationsrede beschrieb er die „Universität als Heilmittel“. Im Hinblick auf das 500. Gründungsjubiläum der Universität Wien 1865 leitete Schroff als Präses des eigens eingesetzten Komitees die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten. Aus diesem Anlass veröffentlichte er 1865 auch einen Bericht über die Entwicklung des Wiener pharmakologischen Instituts, zu dem er 1872 einen Nachtrag herausgab.

Neben seiner universitären Tätigkeit war Schroff ab 1850 Mitglied der Ständigen Medizinalkommission im Ministerium des Inneren sowie stellvertretender Präsident der k.k. Gesellschaft der Ärzte (bis 1878), ab 1863 Mitglied des Unterrichtsrats im Ministerium für Cultus und Unterricht und ab 1865 des Obersten Sanitätsrats.

Für seine Leistungen wurde Carl Damian Schroff vielfach ausgezeichnet. So war er Ehrenmitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien (1853), der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (1860) sowie der Universität Moskau. Er wurde zum Regierungsrat (1857) sowie zum Hofrat ernannt und 1867 in den Ritterstand erhoben (Carl Damian Ritter von Schroff).

Nach seiner Emeritierung 1874 übersiedelte er 1878 nach Graz, wo er 1887 starb. Bestattet wurde er auf dem Friedhof in Wien-Grinzing.

Werke (Auswahl)

Conspectus morborum, qui tractati sunt in clinico medico Pragensi anno scholastico 1826–1827 auspice celeberrima et doctissimo Domino Vincentio Julio Krombholz, 1828.
gem. mit Emanuel Stephan Schroff: Arzneimittellehre und Receptirkunde, 1833 (2. Auflage 1837, Neuauflage 1862).
Lehrbuch der Pharmacognosie, 1853 (2. Auflage 1869).
Lehrbuch der Pharmacologie mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen Pharmacopoe vom Jahre 1855, 1856 (4. Auflage gem. mit K. Schroff, 1873).
Das pharmacologische Institut der Wiener Universität, 1865.
Bericht über die fünfhundertjährige Jubelfeier der Wiener Universität 1865, 1866.
(Hg.): Nachtrag zum pharmakologischen Institut der Wiener Universität, 1872.
Die Arzneiwaaren (= Officieller Ausstellungs-Bericht der Weltausstellung 1873), 1873.

Autor*innen

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert

24.09.2026

Versionierter Zitationslink

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Literatur und gedruckte Quellen

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