Quarin, Josef Freiherr von

Dr. art. lib., Dr. phil., Dr. med.

19.11.1733–19.03.1814

geb. Wien, Österreich
gest. Wien, Österreich

Josef Freiherr von Quarin (1733–1814), Kaiserlicher Leibarzt

(Josephus de Quarin)

1784-1791 Direktor des Wiener Allgemeinen Krankenhauses

Ehrung Titel Fakultät Datierung
Denkmal „AKH-Direktoren“
Denkmal Arkadenhof Medizinische Fakultät 1889

Büste von Johann Martin Fischer, 1802 im Rektorszimmer der Universität, 1889 in den Arkadenhof verlegt.

siehe auch u: monuments: Denkmal Josef Quarin

Funktion Zeitraum Fakultät
Rektor 1788/89
Rektor 1789/90
Rektor 1796/97
Rektor 1797/98
Rektor 1800/01
Rektor 1805/06
Josef Freiherr von Quarin (1733–1814), Kaiserlicher Leibarzt
Josef Freiherr von Quarin (1733–1814), Kaiserlicher Leibarzt
Denkmal für Josef von Quarin (1733–1814) im Arkadenhof der Universität Wien, gestaltet von Johann Martin Fischer, 1889 im Ar…
Denkmal für Josef von Quarin (1733–1814) im Arkadenhof der Universität Wien, gestaltet von Johann Martin Fischer, 1889 im Arkadenhof aufgestellt
Denkmal Direktoren des Allgemeinen Krankenhauses 1784–1989
Denkmal Direktoren des Allgemeinen Krankenhauses 1784–1989

Medizin

Entomologie

Josef Quarin, Sohn des Arztes Peter Quarin, studierte zunächst an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien und promovierte hier im Alter von 15 Jahren zum Dr. phil. Anschließend absolvierte er ein Studium der Medizin (Arzneikunde) an der Universität Freiburg im Breisgau, wo er 1751 mit einer Arbeit über Insekten zum Doktor der Medizin promoviert wurde. Als er im Folgejahr nach Wien zurückkehrte, musste er erneut Prüfungen ablegen und seine Dissertation verteidigen, um hier als Arzt praktizieren zu können.

Neben seiner ärztlichen Praxis hielt Josef Quarin auf Anregung des Studiendirektors Gerard van Swieten ab 1754 Vorlesungen über Anatomie, später auch über Arzneimittellehre. Als Primararzt im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder unterrichtete er auch klinische Praxis mit anatomischen Demonstrationen.

Kaiserin Maria Theresia ernannte Josef Quarin 1758 zum k. k. Rath, später auch zum Regierungs- und Sanitätsrat sowie zum Referenten für das Sanitätswesen bei der niederösterreichischen Landesstelle. 1777 wurde er zur ärztlichen Betreuung des erkrankten Erzherzogs Ferdinand nach Mailand geschickt und nach dessen Genesung zu dessen Leibarzt, wenig später auch zum kaiserlichen Leibarzt ernannt. Kaiser Joseph II. bestellte Quarin 1784 zum ersten Oberdirektor des neueröffneten Allgemeinen Krankenhauses (AKH), das er bis zu seinem Rücktritt 1791 wesentlich ausbauen konnte. Unter anderem schuf er 1788 das vom AKH räumlich getrennte Findelhaus (Alser Straße 23).
Kurz vor seinem Tod erhob Joseph II. Quarin 1790 in den Freiherrenstand. Auch Kaiser Leopold II., der ihm den Leopold-Orden (1790) sowie den Hofratstitel verlieh, und Kaiser Franz ernannten ihn zum Leibarzt.

Obwohl Quarin nur kurz als Professor an der Universität Wien lehrte, gehörte er als in Wien praktizierender Arzt dem Doktorenkollegium der Medizinischen Fakultät an. Von 1798 bis zu seinem Tod 1814 fungierte er als Senior der Medizinischen Fakultät. Aufgrund seiner Verdienste wurde er sechsmal – in den Studienjahren 1788/89, 1789/90, 1796/97, 1797/98, 1800/01 sowie 1805/06 – zum Rektor der Universität Wien gewählt. Während seiner Amtszeit als Rektor rief er während der französischen Besetzung unter Napoleon die Studenten zur Landesverteidigung auf und konnte Beschädigungen verhindern. Quarin setzte sich nicht nur beim Kaiserhof für die Interessen der Studierenden und Kollegen ein, sondern unterstützte auch karitative Initiativen zu deren Gunsten.

Daneben erwarb Josef Quarin sich großes Ansehen als Verfasser medizinischer Fachpublikationen, u.a. über Insekten, die Heilmethoden des Fiebers und der Entzündungen sowie sein Hauptwerk, „Animadversiones practicae in diversos morbus“ (1786) über die häufigsten Krankheiten.

Ehrungen

Josef Quarin wurde für seine Verdienste vielfach geehrt. Neben den Auszeichnungen durch den Kaiserhof wurde er auch von den medizinischen Gesellschaften in Kopenhagen, London, Madrid, Venedig und Padua zu deren Mitglied gewählt.
Die Universität Wien ehrte Quarin mit einer Büste aus Marmor – gestaltet von dem Bildhauer Johann Martin Fischer –, die zunächst 1802 im Sitzungssaal der Medizinischen Fakultät, nach Errichtung des Universitätshauptgebäudes im Arkadenhof aufgestellt wurde.
Die Stadt Wien benannte 1906 den Quarinplatz (1962 aufgelassen), 1911 die Quaringasse sowie 1924 die dort befindliche städtische Wohnhausanlage Quarinhof in Wien-Favoriten nach ihm.
Sein Name findet sich auf dem "Denkmal der Direktoren des Allgemeinen Krankenhauses" im 2. Stock des Stöckelgebäudes (ehem. Direktion des AKH) im Hof 1 am Campus der Universität Wien.

Werke

Tentamina de Cicuta, 1761.
Methodus medendarum febrium, 1772.
Methodus medendi inflammationibus, 1774.
De curandis febribus et inflammationibus commentatio, 1781.
Betrachtungen über die Hospitäler Wiens, 1784.
Animadversiones practicae in diversos morbos (2 Bände), 1786 (4. Auflage 1808).
Neues Quarinisches Dispensatorium, zum Gebrauche der Spitäler und anderer milden Anstalten für arme Kranke; nebst der beigef. Taxe für die Arzneimittel, 1790.

Siehe auch

> Wien Geschichte Wiki (abgerufen am 29.08.2025)
> Deutsche Biographie (abgerufen am 29.08.2025)
> Wikisource: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (abgerufen am 29.08.2025)
> Wikipedia (abgerufen am 29.08.2025)

Autor*innen

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert

20.07.2026

Versionierter Zitationslink

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Literatur und gedruckte Quellen

Theodor Puschmann, Die Medizin in Wien während der letzten 100 Jahre. Nachdruck des Originals von 1884. (Paderborn 2015), online unter https://books.google.at/books?id=LSmeCgAAQBAJ.
Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien (Wien 2007).
Barbara I. Tshisuaka, Quarin, Joseph Freiherr von. In: Enzyklopädie Medizingeschichte, herausgegeben von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Berlin, New York 2005).
Tilman Kiehne, Die Promotionsarbeit des Joseph von Quarin als Spiegel des Standes der medizinischen Entomologie in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Gesnerus 54 (1997) (1997) 23–26.
Eduard Meder, Die Direktoren des Wiener Allgemeinen Krankenhauses. Wiener Medizinische Wochenschrift 21 (1935) (1935) 567-572, online unter https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=wmw&datum=1935&page=584.
Agathon Wernich, August Hirsch, Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeiten und Völker. (1884-1888) (Wien u.a. 1884).
C. Welcker, Joseph Quarins Leben und Wirken. Österreichische Zeitschrift für praktische Heilkunde 16 (1870) (1870) 845-850.
Franz Gräffer, Quarin und der Patient. In: Kleine Wiener Memoiren u. s. w. (Wien 1845).
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Johann Franz Hieber, Trauerrede auf den hochwohlgebornen Herrn Jos. Freyherrn v. Quarin (Wien 1814), online unter https://books.google.at/books/about/Trauerrede_auf_Jos_Freyherrn_v_Quar….
Josef Hyrtl, Vergangenheit und Gegenwart des Museums für menschliche Anatomie an der Wiener Universität (Wien 1809).
Anton Phillebois, Taschenbuch der Wiener K.K. Universität: Für das Jahr 1806. Taschenbuch der Wiener K.K. Universität (Wien 1806), online unter https://books.google.at/books?id=iiRMAAAAcAAJ.
Universität Wien, Wienerischer Universitätsalmanach [Taschenbuch der Wiener k.k. Universität | Wienerischer Universitäts-Schematismus]. 1791-1872 Bd. (Wien 1791).
Ignaz de Luca, Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778).
Constantin Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche seit 1750 in den österreichischen Kronländern geboren wurden oder darin gelebt und gewirkt haben, 60 Tl (Wien).
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Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Neue Deutsche Biographie, Bd. 1 ff. (derzeit 21 Bde. A–Ro) (München and Berlin).