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650 plus – Geschichte der Universität Wien

https://geschichte.univie.ac.at/


Lammasch, Heinrich

o. Univ.-Prof. Dr. jur.

21.05.1853–06.01.1920

geb. Seitenstetten, Österreich
gest. Salzburg, Österreich

Heinrich Lammasch (1853–1920), Strafrecht, Völkerrecht
Ehrung Titel Fakultät Datierung
Denkmal Arkadenhof Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1953

Büste von Josef Humplik, vom Bundesministerium fiir Unterricht finanziert, enthüllt 1953.

siehe auch u:monuments: Denkmal Heinrich Lammasch

Ehrentafel-Fakultät Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1925

Die Eintragung der Namen der ehemaligen Professoren der Universität Wien Josef Unger und Heinrich Lammasch in die Ehrentafel der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät wurde am 14. Juli 1925 durch das Professorenkollegium der Fakultät beschlossen:

„Auf den Ehrentafeln der Fakultät werden der bestehenden Ueberlieferung gemäss solche Namen berühmter Fakultätsmitglieder eingetragen, die über den Kreis ihres wissenschaftlichen Faches und der Lehrkanzel hinaus eine grosse Tätigkeit entwickelt haben, die ihnen ein bleibendes Gedenken und hohe Wertschätzung in der Geschichte des geistigen und politischen Lebens unseres Vaterlandes sichert. – Das trifft für die Professoren Joseph Unger und Heinrich Lammasch unserer Fakultät zu.“

Der Senat der Universität Wien gab am 16. Juli 1925 seine Zustimmung. Am 17. Juli 1925 beauftragte der Rektor der Universität Wien Hans Sperl die Universitäts-Gebäude-Inspektion mit der Durchführung der Eintragung.

Heinrich Lammasch (1853–1920), Strafrecht, Völkerrecht
Heinrich Lammasch (1853–1920), Strafrecht, Völkerrecht
Denkmal für Heinrich Lammasch (1853–1920) im Arkadenhof der Universität Wien, gestaltet von Josef Humplik, enthüllt 1953
Denkmal für Heinrich Lammasch (1853–1920) im Arkadenhof der Universität Wien, gestaltet von Josef Humplik, enthüllt 1953
Ehrentafel der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät, Aula der Universität Wien
Ehrentafel der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät, Aula der Universität Wien

letzter Ministerpräsident der österreich-ungarischen Monarchie

Heinrich Lammasch studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien (Dr. jur. 1876) und habilitierte sich 1879 für Strafrecht. Er wurde 1882 außerordentlicher, 1885 ordentlicher Professor für Strafrecht, Rechtsphilosophie und Völkerrecht an der Universität Innsbruck. 1889 übernahm er das Ordinariat für Völkerrecht an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

1899 und 1907 war Lammasch völkerrechtlicher Berater der 1. und 2. Haager Friedenskonferenz. Er war ein international anerkannter Völkerrechtler und Mitglied des Ständigen Schiedsgerichtshofes im Haag. Er war ab 1899 auch Mitglied des Herrenhauses und betätigte sich innenpolitisch in gemäßigt konservativer Richtung, schon vor 1914 für eine Lösung des deutsch-österreichischen Bündnisses eintretend. Lammasch unternahm während des Ersten Weltkriegs Friedensinitiativen und plädierte für einen Verständigungsfrieden auf der Basis des Völkerbunds. Kaiser Karl I. bot ihm zweimal den Posten des Ministerpräsidenten an, doch erst beim 3. Mal, am 25. Oktober 1918, nahm er an und wurde der letzte Ministerpräsident der Monarchie (Oktober 1918). Als Erster vertrat er den Gedanken der dauernden Neutralität der Republik Österreich. Er erarbeitete 1918 einen österreichischen Entwurf für den Völkerbundpakt und war Mitglied und Präsident des Internationalen Schiedsgerichtes in Den Haag.

An ihn erinnert ein Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien (Büste von Josef Humplik, vom Bundesministerium für Unterricht finanziert, enthüllt 1953), die Ehrentafel der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät im Hauptgebäude der Universität Wien und seit 1920 in Wien-Floridsdorf die nach ihm benannte Lammaschgasse. 

Siehe auch

> Österreichisches Biographisches Lexikon (abgerufen am 04.09.2025)
> Deutsche Biographie (abgerufen am 04.09.2025)
> Wien Geschichte Wiki (abgerufen am 04.09.2025)
​> u:monuments: Denkmal Heinrich Lammasch (abgerufen am 04.09.2025)

Archiv der Universität Wien, Akad. Senat, GZ 1076 aus 1924/25 (Eintragung Ehrentafel).
Archiv der Universität Wien, Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, GZ 771 ex 1925 (Eintragung Ehrentafel).

Autor*innen

Herbert Posch

Zuletzt aktualisiert

23.10.2026

Versionierter Zitationslink

https://geschichte-v2026.visuelles.xyz/de/node/28667/revisions/34997/view

Literatur und gedruckte Quellen

Gerhard Oberkofler, Winfried Böttcher, Heinrich Lammasch. In: Europas vergessene Visionäre. Rückbesinnung in Zeiten akuter Krisen, 339–344 (Baden-Baden 2019).
Dieter Köberl, Heinrich Lammasch. Ein konservativer Reformer und unbeirrbarer Vorkämpfer für den Weltfrieden. Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv 38–39/2019–2020 (2019) (2019) 123–143, online unter https://www.uibk.ac.at/iup/buch_pdfs/brennerarchiv_38_39.pdf.
Gerhard Oberkofler, Eduard Rabofsky, Heinrich Lammasch (1853–1920). Notizen zur akademischen Laufbahn des großen österreichischen Völker- und Strafrechtsgelehrten (Innsbruck 1993).
Stephan Verosta, Theorie und Realität von Bündnissen. Heinrich Lammasch, Karl Renner und der Zweibund (1897–1914) (Wien 1971).
Marga Lammasch, Hans Sperl, Heinrich Lammasch. Seine Aufzeichnungen, sein Wirken und seine Politik (Wien, Leipzig 1922).

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