Wagner, Richard
geb.
Leipzig, Deutschland
gest.
Venedig, Italien
| Ehrung | Titel | Fakultät | Datierung | |
|---|---|---|---|---|
| Raumbenennung | Wagner Saal | Philosophische Fakultät | 1944 |
mehr
Mit der Gründung des Zentralinstituts für Theaterwissenschaft mit Sommersemester 1943 und der Berufung von Heinz Kindermann zum Ordinarius wurden dem als zentrale Forschungsstätte des „Dritten Reiches“ geplanten Institut Räumlichkeiten im Bereich der Batthyany-Stiege der Hofburg zugeteilt, in denen das Institut (mit nur geringfügigen Veränderungen) bis heute untergebracht ist. Vermutlich auf Initiative von Kindermann wurden alle Räume des neuen Zentralinstituts berühmten Persönlichkeiten gewidmet. Wahrscheinlich einer der beiden größeren rückwärtigen Räume (im Plan die Räume 0136 bzw. 0131), die für die Bibliothek genutzt wurden, wurde nach Richard Wagner benannt. Wie lange diese Benennung beibehalten wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. |
Aufgrund Richard Wagners Nähe zu Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus und Sozialdarwinismus wird die Ehrung derzeit einer Neubewertung unterzogen.
Komponist, Schriftsteller und Dirigent
Richard Wagner stand nie in einer direkten Beziehung zur Universität Wien, unterhielt jedoch intensiven Kontakt zu führenden Persönlichkeiten des Wiener Musiklebens, unter ihnen auch Eduard Hanslick, der sich 1856 an der Universität Wien für „Geschichte und Ästhetik der Tonkunst“ habilitiert hatte.
Geboren als neuntes Kind des Polizeiaktuars Carl Friedrich Wilhelm Wagner und seiner Frau Johanna Rosina, verlor (Wilhelm) Richard Wagner bereits nach einem halben Jahr seinen Vater. Im August 1814 heiratete seine Mutter den Maler, Schauspieler und Dichter Ludwig Geyer (1779–1821), der durch seine Beziehungen zu Intellektuellen und Künstlern den jungen Richard in vieler Hinsicht prägte. Ab 1814 lebte die Familie in Dresden, wo Richard Wagner auch seine schulische Ausbildung erhielt. Die Persönlichkeiten, die im Hause Geyer verkehrten, brachten Wagner die Welt des Theaters und der Musik näher. Dass auch Richards Geschwister Albert, Rosalie, Luise und Klara sich beruflich in diese Richtung orientierten, scheint auch seine Interessen und Pläne beeinflusst zu haben. Als Schlüsselerlebnis für seine weitere Laufbahn definierte Richard Wagner später eine Aufführung von Beethovens Fidelio mit Wilhelmine Schröder-Devrient in der Titelrolle, die in ihm den Entschluss hätte reifen lassen, sich ganz der Musik und v.a. der Oper zu widmen. Die später so dominant hervortretenden Grundzüge von Wagners Persönlichkeit zwischen sentimental übersteigerter Emotionalität und einer mit großem Pathos inszenierten geradezu „messianischen“ Berufung zeigten sich schon in Jugend und jungem Erwachsenenalter und gipfelten später in einer bislang bei Musiker*innen kaum erlebten Form von Selbstinszenierung.
1829 entstanden erste Kompositionsversuche, ab 1831 studierte Wagner an der Universität Leipzig und bei Thomaskantor Christian Theodor Weinlig Musik und Komposition. Von Anfang an stand die Musikdramatik bei ihm im Vordergrund, wobei er sich als Librettist und Komponist in Personalunion verstand. Erste Opernprojekte datieren aus 1832, die erste erhaltene Oper Die Feen aus 1833. 1832 kam Wagner zum ersten Mal nach Wien, wo er mit Franz Grillparzer Kontakt aufnahm. 1848, bei seinem zweiten Wienbesuch, trat er auch mit Eduard von Bauernfeind und Hanslick in Kontakt, als er im Zuge der Revolution für sein Projekt eines national-deutsch geprägten Nationaltheaters warb, das jedoch nach der Restauration nicht weiterverfolgt wurde.
Richard Wagner hatte sich ab 1836 mehrfach als Theaterdirektor versucht (Königsberg, Riga), zeigte jedoch wenig kaufmännisches Geschick, sodass er 1839 mit seiner ersten Frau Minna Planer (1809–1866) vor seinen Gläubigern aus Riga nach London floh. 1839–1842 in Paris und protegiert durch Giacomo Meyerbeer konnte Richard Wagner erste bedeutendere musikdramatische Werke fertigstellen (Rienzi, Der Fliegende Holländer), geriet aber finanziell in große Abhängigkeit von Meyerbeer, worin einer der Gründe für seinen späteren scharfen Antisemitismus gesehen wird. Ebenso fallen in die Pariser Jahre einerseits die Lektüre der Vorlagen zu seinen großen Bühnenwerken Lohengrin, Tannhäuser und zur Trilogie Der Ring des Nibelungen, andererseits 1840 seine erste Begegnung mit Franz Liszt, dessen Kompositionen Wagner zur Entwicklung seines Personalstils nachhaltig beeinflussen sollten.
Eine erste Anerkennung als Opernkomponist erfuhr Wagner Anfang 1843 in der Ernennung zum Königlich Sächsischen Hofkapellmeister auf Lebenszeit. Ein ruhiges bürgerliches Leben schien sich anzubahnen, ebenso eine künstlerisch enorm produktive Zeit mit den Arbeiten an Tannhäuser, der erneuten Auseinandersetzung mit den Stoffen von Parsifal und Lohengrin sowie ersten Arbeiten zu den Meistersingern von Nürnberg. In der Zeit der Revolution 1848 ergriff Wagner auch aktiv für die Revolutionäre Partei, da er sich und seine Kunst als Speerspitze in diesem neuen Deutschland sah; in diesem Sinne wandte er sich der nordischen („altgermanischen“) Dichtung zu und skizzierte den Text zum Ring des Nibelungen.
Nach der Niederschlagung der Revolution wurde Richard Wagner steckbrieflich gesucht, konnte aber zu Franz Liszt nach Weimar fliehen und von dort 1849 nach Zürich, wo er bis 1858 blieb. Wagner verfasste in dieser Zeit zahlreiche Schriften und entwickelte das Konzept von großen Musikfestspielen; auch seine ästhetische Hauptschrift Oper und Drama entstand in diesen Jahren. Mit diesen Plänen im Hinterkopf entstanden in diesen Jahren große Teile der Ring-Trilogie wie auch erste Skizzen zu Tristan und Isolde. 1853 lernte Wagner Mathilde und Otto Wesendonck kennen, die zu seinen wichtigsten Mäzen*innen dieser Zeit wurden – Mathilde zudem auch Muse und Geliebte (Wesendonck-Lieder). Im September 1857 kam es zum einzigen Zusammentreffen der drei wichtigsten Frauen Wagners – Minna Wagner, Cosima von Bülow und Mathilde Wesendonck – in der Villa Wesendonck, ohne dass die Frauen voneinander und ihrer Rolle im Leben Wagners wussten. Im Frühling 1858 flog die Affäre zwischen Wagner und Mathilde Wesendonck auf, sodass Wagner nicht nur wichtige Förderung, sondern auch seinen sicheren Zufluchtsort verlor, und im Sommer nach Venedig fliehen musste.
Am 28. August 1857 war inzwischen am Wiener Thaliatheater (16., Thaliastraße 1) mit Tannhäuser erstmals eine Wagner-Oper in Wien aufgeführt worden; Tannhäuser wurde im Theater in der Josefstadt im September ebenfalls auf den Spielplan gesetzt. Im August 1858 folgte bereits das Kärntnertortheater mit Lohengrin, später Tannhäuser und 1860 mit dem Fliegenden Holländer.
Für Richard Wagner waren die folgenden Jahre zwischen 1859 und 1863, bis er in König Ludwig II. von Bayern wieder einen Mäzen fand, Jahre der persönlichen, wirtschaftlichen und künstlerischen Unsicherheit. Seine Werke fanden nicht die nötige Resonanz, um Wagners aufwändigen Lebensstil zu finanzieren, Minna weigerte sich, in die Scheidung einzuwilligen und erst 1862 erhielt Wagner volle Amnestie in Deutschland. Ein Lichtblick in diesen schwierigen Jahren stellte Wagners dritter Wienaufenthalt anlässlich der Einstudierung von Lohengrin im Sommer 1861 dar. Die Aufführung wurde ein großartiger Erfolg und Wagner wurde in dieser Zeit durch den Musik liebenden Primararzt am Allgemeinen Krankenhaus, Dr. Josef Standhartner, umsorgt. Umso größer war daher die Enttäuschung, als sich Tristan und Isolde in Wien 1863/64 als schier unaufführbar erwies – das Stück wurde nach 77 [!] Proben noch vor der Erstaufführung abgesetzt. Da stark verschuldet, verkaufte Wagner rasch seine Habseligkeiten und floh am 23. März 1864 aus Wien. In diesen Wienaufenthalt fällt die Bekanntschaft mit dem jungen Johannes Brahms sowie zu Hans Richter, der später zu einem wichtigen Dirigenten der Werke Wagners wurde.
Dass bereits Anfang 1864 der junge Ludwig II. mit knapp 18 Jahren den bayerischen Thron übernahm, erwies sich als Glücksfall für den wieder nahezu mittellosen Wagner. Wagner wurde an den bayerischen Hof gerufen und stand am 4. Mai 1864 einem seiner größten Verehrer und zukünftig wichtigsten Mäzen gegenüber. In Ludwig II. fand Richard Wagner nicht nur jenen Förderer, der ihn von seinen permanenten wirtschaftlichen Problemen befreite, sondern der auch gewillt war, seine hochfliegenden Musikfestspiel-Pläne (Weihespiele im Sinne der „Kunstreligion“-Ästhetik) zu finanzieren. Geplant war sogar eine „Wagner-Achse“ quer durch München mit eigenem Opernhaus, mit der man Gottfried Semper beauftragte und deren Kosten auf fünf Millionen Gulden geschätzt wurden. 1865 konnte in München endlich auch die Uraufführung des bis dato als unaufführbar geltenden Tristan realisiert werden. Auf Wunsch des Königs begann Wagner mit der Umsetzung des Parzifal-Stoffes, den Wagner schon mehrmals ins Auge gefasst hatte. Privat sorgte das Dreiecksverhältnis zwischen Wagner, Cosima von Bülow und deren Ehemann Hans von Bülow für Turbulenzen, war auch Wagner zu diesem Zeitpunkt noch offiziell mit Minna verheiratet. Wagners Lebensstil und sein Einfluss auf den König führten im Herbst 1865 zu einer veritablen Regierungskrise in Bayern, die dazu führte, dass der König Wagner schweren Herzens aus Bayern ausweisen musste.
Wagner sowie Cosima von Bülow und ihre drei Töchter Daniela, Blandine und Isolde zogen in die Schweiz nach Tribschen, wo 1867 die zweite gemeinsame Tochter, Eva, geboren wurde. Der Kontakt zum bayerischen König blieb jedoch intensiv – 1868 wurden die Meistersinger von Nürnberg in München mit großem Erfolg uraufgeführt, doch zeigte sich eine bislang unbekannt radikale Polarisierung des Publikums in „Wagnerianer“ und „Anti-Wagnerianer“. Wagners rege publizistische Tätigkeit und eine restriktive Zutrittskontrolle zum „Meister“, der durch Cosima, die ab November 1868 endgültig zu Richard zog, geregelt wurde, trug das Ihre zur Schaffung eines erlauchten Kreises an „Jüngern“ bei, zu denen auch der junge Friedrich Nietzsche zählte (der jedoch später zu einem seiner schärfsten Gegner wurde). Nach dem Tod von Minna 1866 und der Scheidung Cosimas von Hans von Bülow im Juli 1870 konnte Richard und Cosima im August des Jahres heiraten. Cosima sorgte in der Folge nicht nur für die Schaffung einer entsprechenden Aura um Richard (den sie als „Meister“ titulierte), sondern auch für eine „Memoria“ (bereits 1865 hatte Richard Cosima seine Autobiografie diktiert) und die Genese des „Mythos Wagner“, die bis heute nachwirken.
Richard Wagner hatte Ludwig II. zu dessen Geburtstagen 1865 und 1866 die Partituren von Rheingold und Walküre geschenkt. Da sich die hochfliegenden Pläne eines Wagner-Musiktheaters in München nicht verwirklichen ließen, begann sich Wagner für das kurfürstliche Opernhaus in Bayreuth zu interessieren, das sich jedoch bei einem persönlichen Besuch 1871 als zu klein erwies (es stellt heute eines der wenigen spielfähigen Barocktheater Europas dar). Bayreuth in seiner Kleinheit und Abgeschiedenheit schien jedoch als Ort seiner „Weihespiele“, zu denen man quasi „pilgern“ musste wie zu einem Wallfahrtsort, ideal für die Umsetzung seiner umfassenden Festspiel-Idee. Unterstützt durch geschickte Finanziers und ein kluges „Aktien“-System konnte der Bau des Festspielhauses umgesetzt werden – bereits für 1873 kündigte Wagner die ersten Festspiele in Bayreuth an, musste diese aber aufgrund von Finanzproblemen auf 1875 verschieben. In unmittelbarer Nähe zum Festspielhaus ließ Wagner bis 1874 eine Familienvilla (Haus Wahnfried) errichten, die rasch zum „Sehnsuchtsort“ aller Wagner-Jünger und ab 1883 in Verbindung mit Wagners Grabstätte im Garten des Hauses zu einer regelrechten „Pilgerstätte“ wurde.
Parallel zu den Festspielen wurden vielerorts Wagner-Vereine gegründet, deren Mitglieder vehement für Wagners Werke und Schriften eintraten und zur Unterstützung der Festspiele aufriefen. Im August 1876 fanden endlich die ersten Festspiele in Bayreuth mit der ersten Gesamtaufführung des Ring des Nibelungen statt, die jedoch zu Wagners Enttäuschung nicht mehr als ein Achtungserfolg war. Anfang 1877 begann Wagner mit der Komposition des Parsifal, dessen Stoff ihn in unterschiedlicher Intensität seit Jahren immer wieder beschäftigt hatte. Parsifal sollte sein opus summum werden und ausschließlich in Bayreuth als „Weihfestspiel“ aufgeführt werden; parallel dazu diktierte Wagner seine Autobiografie weiter und widmete sich in den sogenannten „Regenerationsschriften“ (Religion und Kunst, Erkenne dich selbst und Heldentum und Christentum) weitschweifig den Topoi Ästhetik der Kunstreligion, Eugenik und „Rassenlehre“. Im Jänner 1882 wurde Parsifal fertiggestellt; die Uraufführung in Bayreuth fand im Rahmen der zweiten Bayreuther Festspiele statt und war ein großer Erfolg. Bereits seit Jahren unter Herzproblemen leidend, verstarb Wagner am 13. Februar 1883 in Venedig mitten in der Arbeit an der Abhandlung Über das Weibliche im Menschlichen.
Werk und Würdigung
In erster Linie bekannt durch seine 14 großen musikdramatischen Werke, dazu 21 weitere Bühnen- bzw. Schauspielmusiken, Lieder und diverse Orchester-Ouvertüren, darf nicht auf das umfangreiche Schrifttum Richard Wagners vergessen werden, durch das sich seine Gedankenwelt und Persönlichkeit unmittelbar erschließen und dessen Inhalte in der Folge Teil nationalistischer und nationalsozialistischer Ästhetik und Kulturpolitik wurden. 206 Schriften unterschiedlicher Länge und Thematik zählt das Schriftenverzeichnis in Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Diese Schriften sind ein wichtiger Teil von Wagners Selbstinszenierung; sie zeigen ihn als politischen Menschen, der sich als ästhetische Speerspitze des jungen Deutschlands empfand und seine Musik als dessen akustische Klangtapete. (Kunst-)religiös konnotiertes Sendungsbewusstsein (Musik als Ersatz für die alten Religionen) gepaart mit scharfem Antisemitismus, Nationalismus und Darwins Evolutions- und Rassentheorie prägten Wagners Gedankenwelt. Auch die Musikgeschichte interpretierte er in grandioser Selbstbezogenheit als einen Prozess, der in seinem (Wagners) musikdramatischen Wirken seine Vollendung erfahren würde. In diesem Sinne widmete sich Wagner nach ersten Versuchen auf dem Gebiet der Grand Opéra dem Konzept des Gesamtkunstwerks mit einem „Schöpfer“, der Librettist, Komponist, Regisseur, Dirigent, Bühnenbildern und Impresario in einer Person war – eine Person mit prophetisch-messianischem Auftrag, den Richard Wagner, der sich selbst als „auserwählt“ und „berufen“ sah, in sich empfand. Dementsprechend spielen Erlösungsthemen in den Bühnenwerken eine große Rolle, wobei das Scheitern der Hauptprotagonisten in den meisten Werken auch als Synonym für das nach der gescheiterten Revolution 1848 „unerlöste Deutschland“ gesehen werden kann.
Nachwirken
Schon zu Lebzeiten entwickelte sich um Wagner herum ein Kreis an Bewunderern und Bewunderinnen, die kritiklos das Werk (musikalische wie literarisch) des „Meisters“ gegen Angriffe verteidigten und selbst stolz darauf waren, aus dessen musikdramatischem Werk wie Schriften auswendig rezitieren zu können. Als größte Bewunderin und Mit-Schöpferin des „Mythos Wagner“ gilt seine Witwe Cosima Wagner, die schon zu Lebzeiten Wagners eine Aura der Unberührbarkeit um den Komponisten schuf und die die fast 50 Jahre, die sie Wagner überlebte, nutzte, um den „Mythos Wagner“ in Perfektion zu formen. Nach dem Tod Wagners verstärkte sich dies zu einem hagiographischen Kult mit Cosima als gatekeeper und Zensorin (und bis heute „wachen“ die Nachkommen Richard und Cosima Wagners über Bayreuth und den Grünen Hügel).
Noch zu Lebzeiten Wagners kam es zur Organisation der Wagner-Anhängerinnen und -Anhänger: Der älteste Wagner-Verein ist der 1871 durch Emil Heckel gegründete Deutsche Allgemeine Richard Wagner-Verein. In Wien wurde bereits ein Jahr später, 1872, der Akademische Wagner Verein gegründet, der ein Sammelbecken der großdeutsch-liberalen Studenten war, aber auch von Studierenden aus dem jüdischen Großbürgertum – trotz der antisemitischen Schriften Wagners. Der Kontakt des Wiener Akademischen Wagner-Vereins zu Wagner und Bayreuth war eng, ebenso zu den sogenannten „Neudeutschen“ in Wien (u.a. zu Anton Bruckner); 1939 wurde der Wiener Akademische Wagner-Verein im Zuge der NS-Gleichschaltungen der österreichischen Vereine aufgelöst und 1950 als Richard Wagner-Verband Wien neu begründet.
Wagner-Vorlesungen an der Universität Wien
Auch der spätere Ordinarius für Musikwissenschaft, Guido Adler, war ein begeisterter Wagnerianer, ebenso wie die Dozenten Heinrich Rietsch, Max Dietz und Richard Wallaschek.
Im Sommersemester 1897 hielt Heinrich Rietsch die erste musikgeschichtliche Vorlesung über Wagners Musik („Erklärung ausgewählter Stellen aus Richard Wagners Parsifal“, einstündig, Hs 36). 1903/04 las Guido Adler eine zweisemestrige Vorlesung über Richard Wagner. 1905 bzw. 1908 (jeweils im Sommersemester) widmete Richard Wallaschek der Ästhetik Wagners sowie Friedrich Nietzsche und Richard Wagner.
Ein Überblick über Lehrveranstaltungen zu Richard Wagner und seinem Werk am Institut für Musikwissenschaft im Zeitraum von 1860 bis 2000 bringt folgendes Ergebnis:
Von 1860 bis 1920 wurden zwölf Lehrveranstaltungen gehalten (Heinrich Rietsch, Guido Adler, Max Dietz und Richard Wallaschek). Auch im Zeitraum von 1921 bis 1933 hielt die Wagner-Begeisterung an: 14 Lehrveranstaltungen sind zu verzeichnen, gehalten von Robert Lach, Max Dietz und Richard Wallaschek. Ab 1934 bis 1945 fanden nur fünf Lehrveranstaltungen zu Wagner statt (Robert Lach, Erich Schenk), zwischen 1946 und 1970 überhaupt nur eine einzige (Erich Schenk). Erst ab 1971 wurde Wagner durch Susanne Großmann-Vendrey und Gernot Gruber, gemeinsam mit Manfred Angerer, Herbert Zeman und Alfred Kohler wieder zunehmend Gegenstand von Lehrveranstaltungen – von 1971 bis 1990 mit sechs, von 1991 bis 2000 mit drei Lehrveranstaltungen.
Der Einbruch der Lehrveranstaltungen, die sich mit Wagner beschäftigten, mit 1934 wirkt wie ein Paradoxon eingedenk der Wagner-Begeisterung der Nationalsozialisten. Auch nach 1945 waren Wagner und sein Werk nur selten Gegenstand von Lehrveranstaltungen am Institut für Musikwissenschaft (für die Theaterwissenschaft müssen die Daten erst erhoben werden). Erst 1950 fand wieder eine Vorlesung zu Richard Wagner statt (E. Schenk), doch zeigen diese mit insgesamt zehn (davon drei durch Susanne Großmann-Vendrey als externe Lehrperson im Rahmen von Gastsemestern) in mehr als 50 Jahren seit 1946 bis 2000 einen deutlichen Wandel in der Betrachtung von Richard Wagner und seinem Werk im wissenschaftlichen Kontext.
Siehe auch
Oswald Panagl, Art. Wagner, Familie, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 6.5.2022, abgerufen am 21.5.2026).
wien geschichte wiki (abgerufen am 21.5.2026).
Christian Fastl, Art. Wiener Akademischer Wagner-Verein, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 15.5.2006, abgerufen am 27.5.2026).
Autor*innen
Elisabeth Th. Hilscher
Zuletzt aktualisiert
01.10.2026
Versionierter Zitationslink
https://geschichte-v2026.visuelles.xyz/de/node/47238/revisions/47874/view