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Spendou, Anton

Dr. theol.

22.05.1739–31.05.1813

geb. Möschnach, Krain | Mošnje, Slowenien
gest. Wien, Österreich

(auch Spendon)

Bruder von Joseph Spendou

Funktion Zeitraum Fakultät
Rheinische Nation 1775/76
Österreichische Nation 1778/79
Dekan*in 1783/84 Katholisch-Theologische Fakultät
Rektor 1798/99

Der im heutigen Slowenien geborene Anton Spendou absolvierte 1756 das Gymnasium in Ljubljana sowie anschließend die philosophischen Jahrgänge. In Wien nahm er ein Studium der Theologie auf, das er 1864 mit der Promotion zum Dr. theol. abschloss. Nach der Priesterweihe wurde Spendou 1766 Kurat der erzbischöflichen Kurie bei St. Stephan unter Kardinal Christoph Anton Migazzi, wo er zehn Jahre lang tätig war.

An der Universität fungierte Anton Spendou im Studienjahr 1775/76 als Prokurator der rheinischen Nation und 1778/79 als Prokurator der österreichischen Nation. Seit 1781 war er als k.k. Examinator bei Prüfungen an der Theologischen Fakultät aktiv und wurde er für das Studienjahr 1783/84 zu deren Dekan gewählt.

1795 zum Domherren beim Metropolitankapitel St. Stephan erhoben, beteiligte er sich in den Jahren 1795 bis 1801 als Mitglied der Studien-Revisions-Hofkommission unter dem Vorsitz des Hofkanzlers Heinrich Franz Graf von Rottenhan an zentralen Reformen des Bildungswesens. Wie sein Bruder Joseph Spendou galt Anton Spendou als Repräsentant des Reformkatholizismus und Josephinismus und sprach sich in der Kommission gegen die Einführung des bischöflichen Patronatsrechts beider Ernennung von Lehrern und der bischöflichen Aufsicht über das Theologische Studium aus. Mit seinem Bruder war er auch an der Veröffentlichung der „Politischen Verfassung der deutschen Schulen in den kaiserlich königlichen deutschen Erbstaaten“ (Politische Schulverfassung) beteiligt, die 1806 in Kraft trat und der Kirche wieder größeren Einfluss auf das Schulwesen, besonders auf die Volksschulen, gewährte.

Nach dem Tod von Michael Anton Freiherr von Piloa wurde Anton Spendou Anfang 1797 zu dessen Nachfolger als Universitätskanoniker gewählt und später zum Domkustos sowie zum Hofrat ernannt. Im Studienjahr 1798/99 fungierte er als Rektor der Universität Wien. 1803 übernahm er die Leitung der Wiener Universitätsbibliothek – eine Funktion, die er bis zu seinem Tod 1813 ausübte. Zudem wurde er 1807 zum Präses und Direktor der theologischen Studien sowie zum Zensor für theologische Bücher ernannt. Hier machte er sich u. a. um die Förderung armer Theologiestudenten verdient.

Werke

S. Aurelii Augustini Hipponensis opuscula (Dissertation), 1763.
Geschichte der in der katholischen Kirche eingeführten und bis auf die gegenwärtige Zeit fortgesetzten Fastenanstalten, mit manchen wichtigen Bedenken den Bischöfen Deutschlands gewidmet, 1787.

Siehe auch

> Wikisource: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
> Slovenska biografija

Autor*innen

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert

16.10.2026

Versionierter Zitationslink

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Literatur und gedruckte Quellen

Karin Almasy, Kanon und nationale Konsolidierung. Übersetzungen und ideologische Steuerung in slowenischen Schullesebüchern (1848–1918). Zur Kunde Südosteuropas. Bd. II/45 (Wien, Köln, Weimar 2018), online unter https://unipub.uni-graz.at/obvugroa/download/pdf/5992089.
Karin Almasy, Fallen into Oblivion: On “Forgotten” Slovenes from the 19th Century School Book Production in the Slovene Collective Memory. In: Pamięć na Słowiańszczyźnie Południowej i Zachodniej / Memory in Southern and Western Slavic Cultures (Warschau 2015), online unter https://www.academia.edu/27059971/Fallen_into_oblivion_On_forgotten_Slo….
Milena Uršič, ZRC SAZU, Spendou, Anton (1739–1813). In: Slovenska biografija (Ljubljana 2013).
Hubert Weitensfelder, Studium und Staat: Heinrich Graf Rottenhan und Johann Melchior von Birkenstock als Repräsentanten der österreichischen Bildungspolitik um 1800. Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien 9 (Wien 1996).
Hanns Mikoletzky, 200 Jahre Österreichischer Bundesverlag (Wien 1972).
Anton Weiss, Geschichte der österreichischen Volksschule 1792–1848 (Graz 1904).
Hermann Zschokke, Geschichte des Metropolitan-Capitels zum hl. Stephan in Wien (Wien 1895).
Anton Wappler, Geschichte der theologischen Facultät der K.K. Universität zu Wien: Festschrift zur Jubelfeier ihres fünfhundertjährigen Bestehens (Wien 1884), online unter https://phaidra.univie.ac.at/detail/o:15602.
Universität Wien, Wienerischer Universitätsalmanach [Taschenbuch der Wiener k.k. Universität | Wienerischer Universitäts-Schematismus]. 1791-1872 Bd. (Wien 1791).
Constantin Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche seit 1750 in den österreichischen Kronländern geboren wurden oder darin gelebt und gewirkt haben, 60 Tl (Wien).

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