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Dole, Rutger

Mag. art., Bacc. theol.

14. Jahrhundert–26.11.1409

geb. Roermond, Niederlande

(Rutgerus Dole de Ruremunda)

Funktion Zeitraum Fakultät
Dekan*in 1390 Artistenfakultät
Dekan*in 1392 Artistenfakultät
Vize-Dekan*in 1396 Artistenfakultät
Rektor 1407/08

Der aus Roermond in den Niederlanden stammende Rutger Dole wurde im Sommersemester 1385 an der Universität Wien immatrikuliert. Er muss vorher bereits an einer anderen Hochschule studiert haben, da er im selben Jahr bereits als Magister der Artistenfakultät genannt wird. Der Universitätshistoriker Joseph Aschbach vermutete, dass Rutger aus Paris kam und zu jenen Magistern gehörte, die nach der Zuwendung der dortigen Universität zur Obedienz von Avignon die Hochschule verließen. Belege dafür gibt es jedoch keine.

Zwischen 1385 und 1399 hielt Rutger regelmäßig Vorlesungen an der Artistenfakultät und fungierte mehrfach als consiliarius (Berater des Dekans) sowie in den Sommersemestern 1390 und 1392 als Dekan. Im Frühjahr 1395 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Rutger und der Fakultät: Nachdem er sich geweigert hatte, das Amt des Examinators für die Rheinische Nation zu übernehmen, wurde er aus der Fakultät ausgeschlossen und mit einer Geldstrafe von sechs Gulden belegt. Durch Vermittlung des Freisinger Bischofs Berthold von Wehingen wurde der Streit beigelegt und Rutger erneut in die Fakultät aufgenommen. Die Auseinandersetzung zeigt, dass Rutger (auch unter Berücksichtigung des zeitgenössischen Ehrbegriffs) außerordentlich auf die Wahrung seines Rufes bedacht war: Noch vor der endgültigen Beilegung des Konfliktes stellte er den Antrag, die entsprechenden Einträge in den Fakultätsakten zu tilgen. Die Fakultät kam dem nach, so dass die Passagen in den Akten heute nur mehr teilweise lesbar sind. Das von Rutger durchgesetzte „Recht auf Vergessen“ – um einen modernen Begriff zu verwenden – und die großflächige Streichung von Einträgen ist für die Aktenführung der Dekane unüblich.

Nach der Wiederaufnahme leitete Rutger im Herbst 1395 die Disputatio de quodlibet. Im Sommersemester des folgenden Jahres fungierte er während der Abwesenheit des Dekans Peter Schaden als Vizedekan.

Um 1390 hatte Rutger mit dem Theologiestudium begonnen. 1396 scheint er als cursor biblicus, 1408 als sententiarius auf – er hielt Vorlesungen zur Bibel sowie zu den Sentenzen des Petrus Lombardus. Um 1400 wurde er Kanoniker bei St. Stephan, spätestens seit 1407 war er Pfarrer von Schörfling.

Rutger Dole starb am 26. November 1408. Von ihm ist ein Kommentar zum Buch Hiob in zwei Teilen erhalten, der wohl aus seiner Vorlesungstätigkeit an der Theologischen Fakultät stammt. Der Kommentar, die in zwei Handschriften in der Österreichischen Nationalbibliothek überliefert ist, wurde von Rutger dem Collegium ducale gewidmet. Außerdem ist in einer Handschrift der Staatsbibliothek Erfurt ein Kommentar zur Physik erhalten.

Autor*innen

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert

24.09.2026

Versionierter Zitationslink

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Literatur und gedruckte Quellen

Monica Brînzei, Discovering Rutger Dole of Roermond († 1409) via Henry of Rheinfeldenʼs Collection of Notes. In: The Rise of an Academic Elite: Deans, Masters and Scribes at the University of Vienna before 1400, herausgegeben von Monica Brînzei, 345-368 (Turnhout 2022).
Hermann Göhler, Das Wiener Kollegiat-, nachmals Domkapitel zu St. Stephan in Wien 1365–1554: Dissertation von Hermann Göhler (†). Mai 1932 (Wien-Köln-Weimar 2015).
Fritz Peter Knapp, Die Literatur des Spätmittelalters in den Ländern Österreich, Steiermark, Kärnten, Salzburg und Tirol von 1273 bis 1439. II. Halbband: Die Literatur zur Zeit der habsburgischen Herzöge von Rudolf IV. bis Albrecht V. (1358 – 1439). Geschichte der Literatur in Österreich von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd. 2/2 (Graz 2004).
Paul Uiblein, Mittelalterliches Studium an der Wiener Artistenfakultät: Kommentar zu den Acta Facultatis Artium Universitatis Vindobonensis 1385–1416. Universitätsarchiv <Wien, Universität>: Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien. 2. Aufl. Bd. 4 (Wien 1995).
Paul Uiblein, Die Akten der Theologischen Fakultät der Universität Wien (1396–1508). 2 Bd. (Wien 1978).
Paul Uiblein, Zum Katalog der datierten Handschriften in lateinischer Schrift in Österreich. Scriptorium 25, Nr. 1 (1971) (1971) 84-96.
Paul Uiblein, Acta Facultatis Artium Universitatis Vindobonensis 1385–1416. Publikationen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. VI. Reihe: Quellen zur Geschichte der Universität Wien, 2. Abteilung (Graz/Wien/Köln 1968).
Franz Gall, Die Matrikel der Universität Wien, Band 1: 1377–1450: Im Auftrag des Akademischen Senats herausgegeben vom Archiv der Universität Wien. Publikationen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, VI. Reihe: Quellen zur Geschichte der Universität Wien, 1. Abteilung. Bd. 1 (Graz and Köln 1956).
Joseph von Aschbach, Geschichte der Wiener Universität im ersten Jahrhunderte ihres Bestehens. Festschrift zu ihrer fünfhundertjährigen Gründungsfeier. Geschichte der Wiener Universität. Bd. 1 (Wien 1865), online unter http://phaidra.univie.ac.at/o:91414 UBW Volltext auf Phaidra - Universität Wien.
Joannes Joseph Locher, Speculum academicum Viennensis seu Magistratus antiquissimae et celeberrimae Universitatis Viennensis, a primo ejusdem auspicio ad nostra tempora chronologice, historice, et lemmatice (Wien 1773), online unter http://phaidra.univie.ac.at/o:296305.

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