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Späth, Ernst

o. Univ.-Prof. Dr. phil.

14.05.1886–30.09.1946

geb. Bärn, Mähren | Moravský Beroun, Tschechien
gest. Zürich, Schweiz

Ernst Späth (1886–1946), Chemie
Ehrung Titel Fakultät Datierung
Denkmal Arkadenhof Philosophische Fakultät 1961

Büste von Heinrich Zita, Aufstellung finanziert aus Spenden und aus dem Kanzleifinds der Universität Wien, enthüllt 1961.

siehe auch u:monuments: Denkmal Ernst Späth

Denkmal Denkmal, Fakultät für Chemie Philosophische Fakultät 1961

Funktion Zeitraum Fakultät
Dekan*in 1931/32 Philosophische Fakultät
Rektor 1937/38 Philosophische Fakultät
Ernst Späth (1886–1946), Chemie
Ernst Späth (1886–1946), Chemie
Ernst Späth (1886–1946), Rektor 1937/38
Ernst Späth (1886–1946), Rektor 1937/38
Rektorenfasten, Ausschnitt 1936–1949
Rektorenfasten, Ausschnitt 1936–1949
Denkmal für Ernst Späth (1886–1946) im Arkadenhof der Universität Wien, gestaltet von Heinrich Zita, enthüllt 1961
Denkmal für Ernst Späth (1886–1946) im Arkadenhof der Universität Wien, gestaltet von Heinrich Zita, enthüllt 1961

Chemie

Ernst Späth, Sohn des Schmieds Alois Späth, maturierte 1906 am der Realschule in Sternberg (Šternberk/Tschechien) und absolvierte die Gymnasialergänzungsprüfungen in Mährisch-Neustadt (Uničov). Anschließend studierte er Naturwissenschaften an der Universität Wien. Seinen Studienschwerpunkt legte er unter Einfluss von Rudolf Wegscheider auf Chemie, arbeitete bereits 1908 als Demonstrator am 1. Chemischen Laboratorium und promovierte 1910 mit der Dissertation „Über die Anlagerung von Säureanhydriden an Aldehyde und Ketone“ 1910 zum Doktor der Philosophie. Nach seinem Studienabschluss war er 1910–1914 als Assistent am 1. Chemischen Institut der Universität Wien unter Wegscheider tätig. Im Ersten Weltkrieg diente er als Reserveoffizier (Oberleutnant) beim 4. Festungsartillerieregiment in Pola.

Späth, der sich zunächst mit physikalischer und anorganischer Chemie beschäftigte, aber zunehmend der organischen Chemie zuwandte, wurde 1917 mit der Habilitationsschrift „Über die Einwirkung von Halogenalkylen auf Alkylmagnesiumhaloide“ an der Universität Wien für das Gesamtgebiet der Chemie habilitiert. 1921 zum außerordentlichen Titularprofessor und 1923 zum wirklichen Extraordinarius ernannt, avancierte er 1924 als Nachfolger von Wilhelm Schlenk zum Ordinarius und Vorstand des II. Chemischen Universitätslaboratoriums, das er 20 Jahre lang leiten sollte.

Ernst Späth leistete für das Gebiet der organischen Chemie in Österreich wichtige Beiträge, besonders in der Erforschung von Naturstoffen, speziell Pflanzenalkaloide, die für Medizin sowie Pharmakologie große Bedeutung erlangten. Im Zuge seiner etwa 300 wissenschaftlichen Veröffentlichungen konnte er den molekularen Aufbau von 120 Pflanzenstoffen beschreiben (u. a. Chelidonin, Tacettin sowie Alkaloide aus Kakteen, Goldregen, Tabak und Opium). Aufgrund der Ressourcenknappheit in der Zwischenkriegszeit entwickelte er zudem Methoden, um die benötigten Stoffmengen als Basis für experimentelle Forschungen stark zu reduzieren und damit kostensparender zu forschen. Ihm gelang u. a. erstmals die Synthese des Meskalins, des Ephedrins und des Pseudoephedrins, die in der Arzneimittelherstellung Anwendung finden, sowie des Papaverins, das im technischen Bereich eingesetzt wird. Späth wirkte zudem als (Mit-)Herausgeber der „Monatshefte für Chemie“ und der „Fortschritte der Chemie organischer Naturstoffe“.

Für seine Leistungen wurde Ernst Späth vielfach geehrt. 1920 erhielt er aufgrund seiner Arbeiten über Cytisin und Cytisolin den Ignaz-Lieben-Preis. Zwischen 1933 und 1939 folgten die Lavoisier-Medaille der Société Chimique de France, das Komturkreuz des griechischen Phönix-Ordens, die Hofmann-Medaille der Deutschen chemischen Gesellschaft, die Exner-Medaille des Niederösterreichischen Gewerbevereins sowie die Silberne Gedenkmünze der Medizinisch naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Jena.
Für seine Verdienste vielfach ausgezeichnet, war Späth 1925 korrespondierendes und 1926 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Ab den 1930er-Jahren gehörte er auch den Akademien der Wissenschaften in Budapest, Halle, Madrid und Bologna an und war Mitglied zahlreicher weiterer in- und ausländischer Fachvereinigungen, u. a. Ehrenmitglied des Vereines österreichischer Chemiker, der Associazione Italiana di Chimica und der Société de Chimie Industrielle.

Ernst Späth fungierte im Studienjahr 1932/33 als Dekan der Philosophischen Fakultät und wurde für das Studienjahr 1937/38 zum Rektor der Universität Wien gewählt.
Während seiner Amtszeit begann in der Nacht von 11. auf 12. März 1938 der „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich. Bereits am 15. März wurde Fritz Knoll, seit 1937 NSDAP-Mitglied, von der Landesleitung der NSDAP anstelle Späths mit der Leitung der Universität Wien beauftragt und tags darauf offiziell zum „kommissarischen Rektor“ bestellt.
Späth galt jedoch auch während des Nationalsozialismus nicht als politisch unzuverlässig. Bereits 1937 war er vom Verein Deutscher Chemiker mit der eigentlich nur an Deutsche verliehenen Liebig-Medaille ausgezeichnet worden. Von seinem Amt als Rektor musste Späth zwar zugunsten Knolls zurücktreten, übernahm jedoch stattdessen den Posten des Generalsekretärs der Akademie der Wissenschaften, den er bis 1945 ohne Unterbrechung ausübte. Als Professor sowie Direktor des II. Chemischen Laboratoriums blieb er im Amt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er zum neuen Prodekan der Philosophischen Fakultät für das Studienjahr 1945/46 ernannt, womit er wieder dem Akademischen Senat der Universität Wien angehörte. 1945 übernahm Späth außerdem bis zu seinem Tod im Folgejahr die Präsidentschaft der österreichischen Akademie der Wissenschaften.

1961 wurde eine Bronzebüste Späths (gestaltet von Heinrich Zita) sowohl im Arkadenhof der Universität Wien als auch im Eingangsbereich der Fakultät für Chemie (Währinger Straße 38) enthüllt.

Werke (Auswahl)

Über die Anlagerung von Säureanhydriden an Aldehyde und Ketone (Dissertation), 1910.
Über die Einwirkung von Halogenalkylen auf Alkylmagnesiumhaloide​ (Habilitationsschrift), 1917.
Über die Anhalonium-Alkaloide. I. Anhalin und Mezcalin, 1919.
Geschichte der Chemie in Österreich, 1927.
Neuere Ergebnisse zur Chemie des Curare, 1929.
Neuere Fortschritte in den exakten Wissenschaften, 1936.
Vitamine und ihre Bedeutung, 1936.
Die natürlichen Cumarine (in: Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft), 1937.
gem. mit F. Kuffner: Tabakalkaloide, 1939.

Siehe auch

> u:monuments: Denkmal Ernst Späth (abgerufen am 29.08.2025)
​> Österreichisches Biographisches Lexikon (abgerufen am 29.08.2025)
> Wien Geschichte Wiki (abgerufen am 29.08.2025)
​> Wikipedia (abgerufen am 29.08.2025)

Autor*innen

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert

24.09.2026

Versionierter Zitationslink

https://geschichte-v2026.visuelles.xyz/de/node/25407/revisions/33701/view

Literatur und gedruckte Quellen

Roman Pfefferle, Hans Pfefferle, Glimpflich entnazifiziert. Die Professorenschaft der Universität Wien von 1944 in den Nachkriegsjahren (Göttingen 2014), online unter https://books.google.at/books?id=n_R_BgAAQBAJ.
Johannes Feichtinger, Herbert Matis, Stefan Sienell, Heidemarie Uhl, Die Akademie der Wissenschaften in Wien 1938 bis 1945. Katalog zur Ausstellung (Wien 2013).
Jiří Pešek, Michaela Marek, Dušan Kováč, Jiří Pešek, Roman Prahl, Ernst Späth: z moravské kovárny do čela vídeňské university a Rakouské akademie věd. In: Historik na Moravě. Profesoru Jiřímu Malířovi, předsedovi Matice moravské a vedoucímu Historického ústavu FF MU, věnují jeho kolegové, přátelé a žáci k šedesátinám. K vydání připravili Hana Ambrožová, Bronislav Chocholáč, Libor, 163–277 (Brno 2009).
Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien (Wien 2007).
Peter Markl, Chemie in Österreich, Wurzeln und Entwicklung. 100 Jahre Gesellschaft Österreichischer Chemiker 1897–1997 (Wien 1997).
Alois Kernbauer, Das Fach Chemie an der philosophischen Fakultät der Universität Graz. Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz. Bd. 17 (Graz 1985).
Erich Cermak, Beiträge zur Geschichte des Lehrkörpers der philosophischen Fakultät der Universität Wien zwischen 1938–1945, ungedr. phil. Diss. Univ. Wien (Wien 1980).
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Österreichische Naturforscher und Techniker (Wien 1950).
Friedrich Wessely, Ernst Späth. Almanach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (für das Jahr 1947) 97 (1948) (1948) 305 ff.
Franz Planer, Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft. Biographische Beiträge zur Wiener Zeitgeschichte. 1928 (Wien 1929).
Universität Wien, Bericht über das Studienjahr 1937/38, erstattet vom Prorektor Prof. Ernst Späth [unpubliziert] (o.O. [Wien]).
Österreichisches biographisches Lexikon 1850–1950. (1951-heute) (Wien).

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