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650 plus – Geschichte der Universität Wien

https://geschichte.univie.ac.at/


Gabriel, Johannes

o. Univ.-Prof. Dr. theol.

18.04.1896–20.11.1964

geb. Wien, Österreich
gest. Wien, Österreich

Johannes Gabriel (1896–1964), Katholische Theologie

Funktion Zeitraum Fakultät
Rektor 1950/51 Katholisch-Theologische Fakultät
Dekan*in 1952/53 Katholisch-Theologische Fakultät
Senator 1955/56 Katholisch-Theologische Fakultät
Senator 1956/57 Katholisch-Theologische Fakultät
Senator 1957/58 Katholisch-Theologische Fakultät
Dekan*in 1958/59 Katholisch-Theologische Fakultät
Johannes Gabriel (1896–1964), Katholische Theologie
Johannes Gabriel (1896–1964), Katholische Theologie
Akademischer Senat der Universität Wien, Studienjahr 1946/47
Akademischer Senat der Universität Wien, Studienjahr 1946/47
Johannes Gabriel (1896–1964) als Rektor 1950/51
Johannes Gabriel (1896–1964) als Rektor 1950/51

Johannes Gabriel war der Sohn von Adolf Gabriel, Lehrer am k.k. Taubstummeninstitut. Er besuchte das Gymnasium der Theresianischen Akademie und studierte parallel zwischen 1911 und 1914 auch Arabisch und Persisch an der Lehranstalt für Orientalische Sprachen. Nach der Reifeprüfung 1914 nahm er ein Studium der katholischen Theologie an der Universität Wien auf und reichte 1918 seine Dissertation „De Isarelitarum per desertum itinere“ ein. Im selben Jahr empfing er die Priesterweihe und wurde Seelsorger in Bernhardsthal (Niederösterreich). Daneben studierte er Orientalische Sprachen an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien. Am 10. Juni 1920 erfolgte schließlich seine Promotion zum Doktor der Theologie.

1921 erhielt Gabriel die Lehrbefugnis als Religionslehrer und war in den Folgejahren an verschiedenen Wiener Mittelschulen tätig. Mit der Habilitationsschrift „Zorobabel. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in der ersten Zeit nach dem Exil“ wurde er 1927 an der Universität Wien für das Fach Alttestamentarische Bibelwissenschaft („Bibelstudium des Alten Bundes“) habilitiert. Er erhielt 1934 den Titel eines außerordentlichen Professors und wurde im Oktober 1936 zum ordentlichen Professor für Alttestamentarische Wissenschaft und Biblisch-Orientalische Sprachen ernannt. Seit 1935 fungierte er auch als Consultor der päpstlichen Bibelkommission. Zu seinen Schülern zählten der spätere Kardinal Franz König sowie Kurt Schubert, der spätere Gründer des Instituts für Judaistik der Universität Wien.
Gabriel war während des Austrofaschismus Mitglied der Vaterländischen Front.

Er blieb während der NS-Zeit Vorstand des Alttestamentlichen Seminars und fungierte im Studienjahr 1944/45 als Prodekan der Katholisch-Theologischen Fakultät. Nach Kriegsende wurde er erneut in diese Position gewählt (Studienjahre 1945/46 und 1946/47) und sollte in den folgenden Jahren weitere hochrangige Funktionen übernehmen: Im Studienjahr 1950/51 amtierte er als Rektor der Universität Wien, 1952/53  und 1958/59 als Dekan und in drei Studienjahren (1955 bis 1958) als Senator. 1962 stellte er krankheitsbedingt seine Vorlesungstätigkeit ein.

In seinen wissenschaftlichen Arbeiten sowie während seiner zahlreichen Studienreisen in die Türkei, nach Tunesien, Ägypten (Sinai), Palästina, Jordanien, Syrien sowie in den Irak beschäftigte sich Johannes Gabriel v.a. mit dem Alten Testament (Psalmstudien, biblische Archäologie, Geografie und Geschichte Palästinas sowie hebräische, aramäische und syrische Sprachen).
Johannes Gabriel wurde 1945 zum Päpstlichen Geheimkämmerer und 1951 zum Päpstlichen Hausprälaten ernannt. Er war außerdem Offizier der französischen Ehrenlegion. Am 23. Oktober 1954 wurde er mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Im April 1958 verlieh ihm die Universität Wien das Rektorserinnerungszeichen.

Werke (Auswahl)

Zorobabel. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in der ersten Zeit nach dem Exil (Habilitationsschrift), 1927.
Untersuchungen über das alttestamentliche Hohepriestertum, mit besonderer Berücksichtigung des hohepriesterlichen Ornates, 1933.
Ist das Alte Testament Gotteswort? Widerlegung der von den Nationalsozialisten vorgebrachten Angriffe gegen das Alte Testament, 1945.
(mit Claus Schedl), Der Weg zu Christus. Lese- und Arbeitsbuch zum Unterricht in der Offenbarungsgeschichte des Alten Bundes für die 3. Klasse der österreichischen Mittelschulen, 1951.
Die Todesstrafe im Alten Testament, 1952.

Siehe auch

> Bibelarchiv Vegelahn (abgerufen am 29.08.2025)
​> Wien Geschichte Wiki (abgerufen am 29.08.2025)

Autor*innen

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert

20.07.2026

Versionierter Zitationslink

https://geschichte-v2026.visuelles.xyz/de/node/25042/revisions/33694/view

Literatur und gedruckte Quellen

Roman Pfefferle, Hans Pfefferle, Glimpflich entnazifiziert. Die Professorenschaft der Universität Wien von 1944 in den Nachkriegsjahren (Göttingen 2014), online unter https://books.google.at/books?id=n_R_BgAAQBAJ.
Dirk Rupnow, Brüche und Kontinuitäten – Von der NS-Judenforschung zur Nachkriegsjudaistik. In: Geisteswissenschaften im Nationalsozialismus: Die Universität Wien 1938–1945, herausgegeben von Mitchell G. Ash, Wolfram Nieß, Ramon Pils, 79–110 (Göttingen 2010).
Helmuth Vetter, Die Katholisch-Theologische Fakultät 1938–1945. In: Willfährige Wissenschaft. Die Universität Wien 1938–1945, herausgegeben von Gernot Heiß, 179–196 (Wien 1989).
Ernst Christoph Suttner, Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien 1884–1984. Festschrift zum 600-Jahr Jubiläum (Berlin 1984).
Universität Wien, Bericht über das Studienjahr 1950/51, erstattet vom Prorektor Prof. Johannes Gabriel (Wien 1951).
Karl Johann Jellouschek, Eine Sinaifahrt. Bericht über die gemeinsam mit Universitäts-Professor Dr. Johannes Gabriel im April 1937 unternommene Autoexpedition Jerusalem – Suez – St. Katharinenkloster (Wien 1938).
Franz Planer, Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft. Biographische Beiträge zur Wiener Zeitgeschichte. 1928 (Wien 1929).

Source URL: https://geschichte-v2026.visuelles.xyz/personen/johannes-gabriel